Samstag, 25. November 2017

Krise

Ich hab die Krise. Als fortbildungswilliger Mensch lese ich die meisten vielversprechenden Bücher über Pferde, Pferdetraining, Osteopathie und Physiotherapie. Ich lese sie fast immer bis zum bitteren Ende. Weil ich in meinen Seminaren und per Mail zu meiner Meinung zu diesen Büchern gefragt werde.

Aber die Bildauswahl ist immer wieder das Grauen. Selbst in Fachbüchern, sogar in medizinischen oder therapeutischen Fachbüchern finden sich Bilder von Pferden mit deutlichen Phasenverschiebungen, mit falschem Knick, der Nasenlinie weit hinter der Senkrechten (woran auch die geschickte Aufnahme von vorne oder schräg vorne nichts ändert. Wenn ich gleichzeitig die Schuhsohlen des Reiters und das Pferdegenick von oben sehen kann, liegt das sicher nicht an der Perspektive.), von den Rückenlinien ganz zu schweigen. Und zwar nicht als abschreckendes Beispiel, sondern als Vorbild! Dazu kommen noch häufig genug Bilder, die das Gegenteil von dem zeigen, was laut Bildunterschrift zu sehen sein soll.

Leute, da hilft die beste Bildqualität nichts. Ich weiß schon, warum ich selbst gezeichnet habe. :D

Wöchentlich bekomme ich Mails von Reitern und ReiterInnen, die mich fragen, ob das alles so richtig sei. Mein Problem: wie kann ich diese Frage beantworten, ohne mich der Kollegenschelte schuldig zu machen?

Mein diplomatischer Kompromiss:
"Schauen Sie sich doch einfach Fotos und Videos unter besonderer Berücksichtigung der im Folgenden genannten Kriterien an: Für mich sind die Grundgangarten im Arbeits- bis Mitteltempo relevant für die Beurteilung der Ausbildungsqualität. Klare Fußung, Nase vor der Senkrechten, Genick höchster Punkt, in Schritt und Trab neutrales LSG. Hüfte, CTÜ und Pferdemaul in etwa auf einer Linie. Drücken Sie öfter mal die Pausentaste und betrachten Sie unterschiedliche Bewegungsmomente. Und stellen Sie sich vor, Sie wären das Pferd. ;)  Überlegen Sie nicht, was falsch ist, sondern wie es besser sein könnte."

Dass inzwischen mal der Eine oder die Andere etwas von Biotensegrität gehört, es verstanden hat und darüber schreibt, ist vielleicht zu viel verlangt. Leider wirken die ganzen biomechanischen Erklärungen für mich immer abstruser, weil sie kein brauchbares Bewegungsgefühl hervorzaubern können. Da freue ich mich doch über Kolleginnen, die stundenlang im Vierfüßlerstand herumexperimentieren und auf ihren Körper hören.

Und morgen gibt es dann wieder einen Fachpost. Versprochen.


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