Dienstag, 24. Mai 2016

Diskussionsgrundlage Biotensegrity

Einer der Gründe, warum ich das Buch "Jenseits der Biomechanik" geschrieben habe ist, dass es sich in meinen Augen um ein absolut faszinierendes Thema handelt. Da ich mich mit den Auswirkungen menschlicher Vorstellungen von "richtiger" Bewegung auf Pferde schon seit Jahren beschäftige, gibt ein solcher neuer Ansatz einen gewaltigen Motivationsschub, weiter am Thema zu bleiben.

Leider gab es in meinem Umfeld zu wenige Menschen, die sich ebenfalls bereits mit diesem Thema befasst hatten, und die vorhandene Literatur war zum größten Teil nur in englischer Sprache erschienen. Also habe ich mich dran begeben das, was mich aktuell begeistert und weiterbringt, in einem Buch zusammenzustellen. Arbeitstitel:

Die Pferde sind nicht das Problem II - Immernoch keine Reitlehre

Alles in der Hoffnung, andere Pferdemenschen anzustecken mit meiner Begeisterung und dadurch auch Gesprächspartner zu finden, die sich ebenfalls fragen, was das denn nun alles bedeutet - für unsere Vorstellung von Bewegung und von Interaktion, für Behandlung und Reha, für das Lebensgefühl. Es war einfach zuviel Stoff, um ihn in ein paar Blogposts unterzubringen.
 
Der Faszienkörper als Organ, das Gehirn und die Gesellschaft funktionieren alle nach dem Prinzip der Selbstorganisation durch Problemlösung. Stephen Levin, Graham Scarr  und Gerald Hüther haben mich mit ihren Erkenntnissen wochenlang auf Trab gehalten und mit mir auch die armen Menschen, die meine Faszination und die wild sprudelnde Quelle meiner neuen Erkenntnisse ertragen mussten.

(Aus dem Arbeitstitel entstand  dann "Jenseits der Biomechanik", weil das Buch doch recht speziell geworden ist.)
 
Recht weit oben auf meiner Liste der zu erledigenden Dinge steht eine neue Homepage. Und wenn ich die Technik in den Griff bekomme, entsteht in diesem Zusammenhang vielleicht sogar ein Forum. Ein Raum, in dem neue Ideen und Schlussfolgerungen, Trainingsergebnisse und Probleme entspannt und konstruktiv ausgetauscht werden können.

Bis dahin freue ich mich über Fragen zum Buch, zu Biotensegrity und vor allem über Berichte über das, was geschieht, wenn man sich mit diesen Themen befasst. Nicht nur als Kommentar zu diesem Post, sondern gerne auch per Mail.

Sonntag, 22. Mai 2016

Faszienkörper

Für alle, die mein erstes Buch nicht gelesen und sich auch noch nicht mit "FaszienFitness" von Robert Schleip befasst haben hier die Kurzdefinition:
 
Das gesamte Fasziengewebe des Körpers ist als Bewegungsorgan zu sehen. Das ist die ganz kurze Zusammenfassung der Faszienforschung der letzten Jahre, siehe auch Robert Schleip / Fascia Research Institute in Ulm. Soviel für die, denen mehr Text viel zu anstrengend ist und die auch nicht mehr wissen wollen, als sie ohnehin schon wissen.
 
Es ist faszinierend, wie in Foren seitenlang gehetzt und verrissen wird, ohne dass auch nur eine/r der Kommentatoren eines der diskutierten Bücher gelesen hat. Genaugennommen wird sich darüber echauffiert, dass sich jemand erdreistet über Dinge zu schreiben, von denen man selbst noch nie gehört hat. Ist ja auch frech. Also lieber gleich abbügeln, bevor das Gehirn am Ende aus seinem Energiesparmodus geschubst wird. :D  Auch über diesen Trick des menschlichen Gehirns, durch Ignoranz Energie zu sparen, findet sich in "Jenseits der Biomechanik" viel Interessantes. Gefunden beim Gehirnforscher Gerald Hüther.
 
Wenn ich Begriffe nicht kenne, mache ich mich erstmal schlau, überlege, was das neue Wissen für mich bedeutet und wo der Unterschied und die Gemeinsamkeiten zum Bekannten liegen. Dann überlege ich mir, was das alles bedeutet. Und dann kann ich mit anderen darüber diskutieren. Oder vielleicht, wenn ich mich eingehend genug damit befasst habe, auch ein Buch darüber schreiben, das anderen viel Recherchearbeit erspart.
 
Letzteres habe ich getan, um dieses Wissen in die Welt zu bringen. Für die, die danach suchen. Die, die es nicht wissen wollen, dürfen mich einfach ignorieren. Hassen ist unnötig. Danke.

 

Mittwoch, 18. Mai 2016

Fremdreiterprüfung bestanden

Im Rahmen des Reitkurses hat der Scheckenheld nun nach einem Jahr gemeinsamer Arbeit seine Fremdreiterprüfung abgelegt. Sieht richtig gut aus! Benimm und Arbeitsmoral sind weitgehend verinnerlicht. Meistens.

 
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Montag, 16. Mai 2016

Reitkurs in der Südpfalz

Foto: (c) Maren Diehl
 
Das Pferd, das den Sprung nicht anzieht: Im Alter von acht Jahren aus dem Sport ausgeschieden und vor ziemlich genau einem Jahr an die heutige Besitzerin verkauft. Dieser Sprung war der Abschluss des Pfingstkurses. Die Reiterin (12 Jahre jung) ist eine meiner langjährigen Schülerinnen und hat bereits ihre allerersten Stunden bei mir gehabt. Die Freude am Springen haben die beiden sich gemeinsam erarbeitet.
 
 

Freitag, 6. Mai 2016

Seminar bei Berlin:

Tragkraftentwicklung im Raum der Möglichkeiten

Die optimale Form des Pferdes ergibt sich aus der optimalen Erfüllung seiner Aufgabe als Reitpferd im Rahmen seiner physischen und psychischen Möglichkeiten.

Diese Form muss also etwas absolut Individuelles sein - und ein Ergebnis der individuellen Problemlösung des Pferdes. Unsere Aufgabe ist es, dem Pferd behilflich zu sein, die Losgelassenheit, Balance, Geschicklichkeit und Kraft zu entwickeln, die es ihm ermöglichen, uns durch die Aufgaben des Lebens zu tragen.

Um unsere Aufgabe zu erfüllen, brauchen wir zum einen Zeit und zum anderen eine möglichst genaue Vorstellung davon, wie ein Pferd biomechanisch und psychisch funktioniert. Desgleichen benötigen wir Zeit, um ein angemessenes Körpergefühl und motorische Kontrolle zu entwickeln, damit wir unserem perfekten Pferd gerecht werden.
 
In diesem Seminar werden die Grundlagen für die Arbeit im „Raum der Möglichkeiten“ (der Arbeit an der Kappzaumlonge in Anlehnung, aber ohne Formvorgabe) vermittelt. Faszienfunktion, Biotensegrity als „neue Biomechanik“ und Tragkraftentwicklung aus der Sicht des Pferdes gehören zu den Themen des Seminars und die anwesenden Pferde erwecken  die Theorie zum Leben.
 
28.05.-29.05.2016  Birkenhof Teltow, Zehnrutenweg 55a, 14513 Teltow, 250€, vor Ort Anlagennutzung und KaffeeKeksPauschale. Anmeldung: marendiehl(at)aol.com
 
Foto: Rita Kachmarjova, Fotolia

Mittwoch, 4. Mai 2016

Pferdegeflüster

Dank an Kerstin für das schöne Foto! Es ist nicht so einfach, zu übersetzen was das Pferd sagt. Was es möchte, ist vielleicht nicht das, was es braucht und was es braucht ist nicht immer machbar.

 
Aber ein wesentlicher Punkt kam für mich ganz klar heraus: Das Pferd möchte im Moment wahrgenommen werden, so, wie es sich gerade zeigt. Nicht als Krankenakte, als Symptomsammlung oder Krisengebiet. Über die gesundheitlichen Probleme muss man sich natürlich Gedanken machen, aber bitte nicht bei der Arbeit mit dem Pferd. Hier darf man zwar die Grenzen des Empfehlenswerten im Hinterkopf behalten, um gegebenenfalls eine ungünstige Versuchsreihe des Pferdes abzubrechen. Aber das Pferd möchte nicht als Patient gesehen werden, sondern als ein Lebewesen, das sich durch seine Bewegung ausdrückt und als Energie im Prozess seinen Weg sucht.
 
Das ist nicht immer einfach. Aushaltende Hilfengebung bedeutet in diesem Fall, dass man das Geschehen aushalten muss, damit Veränderung möglich wird. Pferde arbeiten Stress und Traumata durch Bewegung ab. Wenn sie wissen, dass sie das dürfen, agieren sie auch nicht mehr explosiv. Sie haben dann ein zuverlässiges Ventil gefunden. Diese Übung ist für uns Menschen sehr schwer, weil der Film im Kopf noch schneller läuft als das Pferd. Wir müssen einen neuen Film gestalten, in dem das körperliche Ausagieren zwar mit Kraft, aber nicht mit hektischem Gerenne verbunden ist.  ;)
 
Sehr schön fand ich, dass mehrere Seminarteilnehmerinnen die Idee von der Eigenverantwortung des Pferdes faszinierend und erleichternd fanden. Ich hoffe auf Berichte!
 
Foto (c) Kerstin Jaud