Mittwoch, 7. Oktober 2015

Selbstbetrug

Leichtigkeit der Hilfen. Oh, ja, sehr erstrebenswert. Die Frage ist nur, an welchem Ende des Zügels oder der Longe diese "Leichtigkeit" wahrnehmbar ist. Ich zeige hier mal ein paar Bildzitate aus einem Post zu einem Reitkunst-Lehrgang. Zur Information: An der Stelle, an der diese Zäumungen - teilweise sogar mit Hebelmöglichkeit - sitzen, erfüllen sie alle Kriterien des Tatbestandes der Tierquälerei. Die Kappzäume liegen größtenteils fast oder sogar völlig auf dem Nüsternrand auf empfindlichem Knorpel- und Weichgewebe  und die Pferde werden massiv in ihrer Atmung behindert (auch bei loser Verschnallung). Ich möchte denen, die so arbeiten gerne mal in aller Freundschaft den Finger gegen die Nasenspitze drücken... und erwarte Begeisterung.

Die Bilder habe ich auf Wunsch der Rechteinhaber entfernt, sie sind aber sicher noch irgendwo auf Facebook zu finden. ;)
Ich hätte auch einfach den Originalpost teilen und verreißen können. Das wäre persönlich und unangebracht gewesen. Mir geht es primär um die Art der Verschnallung von Kappzäumen, die sehr, sehr häufig anzutreffen ist und die schon von vielen als normal betrachtet wird. Es ist völlig unerheblich, von welchem Lehrgang bei welchem Ausbilder die Bilder gemacht wurden.


Natürlich kann man so auch den büffeligsten Zossen dazu überreden, brav mitzumachen. Aber wo ist da die Kunst, wo ist da das Einvernehmen? Wenn das Pferd nur unter massiver Schmerzandrohung tut, was ich möchte bzw. "in der gewünschten Feinheit reagiert", was sagt mir das über das Ausbildungssystem?

Ein Pferd, das gehorcht, um Schmerz zu vermeiden ist in meinen Augen weder gut ausgebildet noch gymnastiziert noch in der Lage einen Reiter zu tragen.

An diese Stelle auf der Pferdenase gehört kein Kappzaum, egal, zu welchem Zweck! Wenn man nur so das Gewünschte erreichen kann, muss man meiner Meinung nach zurück ins Labor.