Freitag, 31. Juli 2015

"Lebendige Biomechanik aus der Sicht des Pferdes"

http://naturalhorse.de/lebendige-biomechanik-aus-der-sicht-des-pferdes.htmlIn den nächsten Tagen erscheint die neue Ausgabe von Natural Horse, unter anderem mit einem Artikel aus meiner Feder - mit Bildern vom schwarzen Noriker.

Susanne Retsch-Amschler hat nach meinen Vorlagen sehr schöne Illustrationen zum Text geschaffen. Vielen Dank dafür!

Ebenfalls ein dickes Dankeschön an Martina Kiss, die Chefredakteurin, die allen Änderungswünschen meinerseits immer zugänglich war.





Donnerstag, 30. Juli 2015

Horse & Spirit Festival

Am 15.-16.August findet in Heimsheim das dritte Horse & Spirit Festival statt. In diesem Jahr bin ich wieder an beiden Tagen dabei, nachdem ich letztes Jahr nur "vorbeigeflogen" bin auf dem Weg in die USA. Das Festival ist für mich inzwischen fast der Gegenpol zu Sylvester, eine Gelegenheit, zu rekapitulieren, was sich im zurückliegenden Jahr ereignet und verändert hat - und das ist einiges!
 
Ich freue mich jedenfalls schon darauf, die Menschen, die ich dort getroffen habe, wiederzusehen, denn erfahrungsgemäß gibt es immer viel Neues zu erzählen.

 Auf dem Horse and Spirit Festival ermögliche ich euch Einblicke in meine Seminarthemen „Lebendige Biomechanik und Faszienfunktion“, „Biomechanik aus der Sicht des Pferdes“ sowie „Faszientraining ist Einstellungssache“ und, in diesem Jahr neu im Programm, „Biotensegrity – der innere Raum der Möglichkeiten“.

Auf Ulrikes Wunsch werde ich auch Reitunterricht geben, bei dem – nach Absprache mit den ReiterInnen – die Themen „Form und Funktion“ und „Der Raum der Möglichkeiten“ im Vordergrund stehen. Dazu kommt ein kleiner Workshop ohne Pferde zum Thema Biotensegrity: Was ist das, wie geht das, was mache ich damit und wie verändern sich meine Vorstellungen?
 
Das Anmeldeformular für die Veranstaltung findet ihr ganz unten auf der HP des Festivals.


Donnerstag, 16. Juli 2015

Motivation und Inspiration

Manchmal liefert das Leben wirklich didaktisch sehr gut ausgearbeitete Vorlagen für Erkenntnisprozesse. Bei mir gehört dazu meistens eine bestimmte Erfahrung, zu der eine fachliche Information aus einem beliebigen Gebiet der Wissenschaft zeitnah nachgereicht wird und die mir hilft, das Erfahrene in größere Zusammenhänge zu bringen. So geschehen in den letzten paar Tagen.

„(…) andere „zu motivieren“ ist hirntechnischer Unsinn, führt nicht in die Selbstverantwortung und Selbstgestaltung, sondern erzeugt bestenfalls Dressur- und Abrichtungsleistungen.“

Dies ist eine Aussage, die bei mir keinen Widerstand hervorgerufen hat (was ich für ein gutes Zeichen halte), denn hier hat der Gehirnforscher Gerald Hüther (Was wir sind und was wir sein könnten, S.Fischer Verlag 2013) von mir bereits Erfahrenes in Worte gefasst und es mir dadurch bewusst gemacht. Allerdings stellt die konkrete Umsetzung immer wieder hohe Anforderungen an meine innere Beobachterin, genau zu merken, an welchem Punkt ich mich in den Teufelskreis der Motivationstechniken begebe – und wenn es sich nur darum handelt, dass ich dem Pferd etwas von meiner Energie leihe.

Zielführender ist stattdessen „ (…) Ermutigung und Inspiration zur eigenen Potenzialentfaltung (...)“

… was etwas von Nachtwanderung bei Neumond im Nadelwald hat. Zumindest, solange mir das Pferd noch nichts von seinen Potenzialen gezeigt hat. Das ist einer der Gründe, warum bei meinem Longieren, wenn das Pferd den Raum der Möglichkeiten annimmt, so wenig zu sehen ist, vor allem für diejenigen, die meine „Arbeit am Pferd“ sehen und bewerten wollen.

Die intensivsten Prozesse sind nur sichtbar, wenn man in der Lage ist, das zu Sehende auch zu fühlen, in der Einheit von Körper, Geist und Seele wahrzunehmen. Die Trainingseinheit mit dem Wow-Effekt für mich und das Pferd beim letzten Seminar war vermutlich die unspektakulärste. Ein unmotiviertes Pferd, hieß es. So erschien es der Besitzerin, so fühlte es sich für sie an. Im Nachhinein betrachtet und in Verbindung mit den Aussagen von Gerald Hüther hat dieses Pferd mich den Unterschied zwischen Motivation – bzw. der Abwesenheit derselben – und Inspiration fühlen lassen. Motivation fühlt sich an wie eine Generalvorspannung in allen Faszienzugbahnen, während Inspiration die Kraft sich viel feiner, harmonischer und sanfter aufbauen lässt, in ständiger Kommunikation in allen feinen Querverbindungen. Ein hochmotiviertes Pferd fühlt sich an wie eine einsatzbereite Armee, während ein inspiriertes Pferd wie ein gut eingespieltes Team agiert, in dem jeder entstehende Druck im Ansatz und zum Nutzen des Gazen im ganzen Körper umverteilt wird. Das Potenzial dieses Pferdes ist verbunden mit seinem Bedürfnis, seine Kraft und Ausdauer in besagter Sanftheit üben zu dürfen. Gleichzeitig ist es in der Lage, diese Erlebniswelt mit Menschen zu teilen, die diese erfahren wollen. Zu entdecken, dass es so etwas gibt, was noch erlebt und erfahren werden kann, eröffnet neue Räume für alle.

Diese Begeisterung in Pferden zu wecken ist eine wunderbare Aufgabe, sie zu erhalten, zu fördern, ihr Raum zu geben und darin die eigene Inspiration zu finden ist eine echte Herausforderung. Die Fallen des Motivationsdenkens lauern überall am Weg. Macht aber nichts, das gehört zum Üben dazu.

Alles, was ich über Biotensegrity, Faszienfunktion, Bewegungslernen usw. in meinen Seminaren vermittle dient dazu, den Körper mit seiner Intelligenz und Problemlösungskompetenz wieder in die Geist-Körper-Seele-Einheit zu integrieren. Sowohl beim Menschen als auch in dessen Vorstellungen davon, was ein Pferd ist. Dazu zeige ich Bilder, mache Übungen mit den Teilnehmern, lasse fühlen.

Das Longieren selbst wirkt oft eher langweilig, wenn man nicht wahrnehmen kann, was hinter der äußeren Form – Anlehnung, im Kreis laufen – geschieht. Wer sich darauf einlassen kann, sich mitnehmen lassen kann, nimmt an den stattfindenden Prozessen teil, auch wenn dies oft erst zeitversetzt bewusst wird. Wer sich mit anderen über kurze Anmerkungen oder Fragen hinaus unterhält, bewertet und vergleicht, schließt sich selbst – und seine Gesprächspartner oder -opfer – aus diesem Prozess aus. Was ich sehr schade finde, denn dann wird das Seminar nicht „rund“. Die Lehrstunde über Motivation und Inspiration haben einige mitbekommen, andere nicht – für alle aber ist dieser Text, denn die Information aus Gerald Hüthers Buch kam für mich erst nach dem Seminar dazu.