Donnerstag, 30. April 2015

Selbstverständnis

 Auf dem Bild oben die erste Trainingseinheit an der Longe, auf dem unteren ungefähr die gleiche Trabphase in der zweiten Trainingseinheit.
 
Das Ganze soll Ausgleichssport zum Holzrücken werden und dafür sorgen, dass der Noriker nicht mit der Vorhand zieht, sondern mit der Hinterhand ins Geschirr schiebt - von wegen der Biomechanik der Ellbogenarthrose...
 
Anlehnung ist in Arbeit, kommt in der nächsten Einheit. ;) Bisherige Gesamttrainingszeit etwa 20 Minuten. 

Das Pferd hat keine neue Technik gelernt, sondern eine andere Idee von Bewegung bekommen.
 
Das ist das, was so schwer zu erklären, aber immer gut zu sehen ist. Und das ist der Grund, warum ich Menschen neue Bewegungsideen vermittle: Damit sie diese an ihre Pferde weitergeben können.

Ja, das obere Bild ist gespiegelt. Damit man zum Guckenüben zwei Bilder in der gleichen Laufrichtung und in der gleichen Bewegungsphase hat. Es geht nicht darum, das Pferd und seine Leistung zu bewerten.

Zitat aus FB-Kommentar: "Wäre für mich nur vergleichbar auf derselben Hand (gleiche Laufrichtung), denn allein die Änderung der Hand sprich Laufrichtung an der Longe verändert oft die Bewegung (natürliche Schiefe, schwache/starke Schulter etc.)"  Ja, ist richtig. Nur leider nicht der Punkt.

Es geht mir weder um absolute Geraderichtung noch darum, mit Bildern zu manipulieren, sondern darum, mit Bildern das zeigen zu können, was ich mit meiner Arbeit erreichen möchte. Und da ist es schon ein unverhofftes Glück, mal eben zwei passende Bilder zu finden, auf denen man das erkennen kann.
 

Donnerstag, 23. April 2015

"Faszientraining ist Einstellungssache" bei Cuxhaven

Wenn über Faszientraining gesprochen wird, ist oft von Faszienbehandlung die Rede und der Unterschied zwischen Training und Behandlung verschwimmt. In den letzten Jahren habe ich mich ausgiebig mit Faszienfunktion und Biomechanik befasst und möchte die gewonnenen Erkenntnisse gerne mit Menschen aus den Gesundheitsberufen rund ums Pferd  teilen. Im Sinne der Pferde möchte ich Kooperation pflegen, statt zu konkurrieren und Wissen und Erfahrungen weitergeben ohne Recht haben oder eine Methode verkaufen zu wollen.  (Mehr...)

Biomechanik aus der Sicht des Pferdes bildet die Grundlage, um die Faszienfunktion zu erforschen - zuerst am eigenen Leib. Die Teilnahme ist mit und ohne Pferd möglich, am Hof stehen genügend Pferde für Vorführungen zur Verfügung.



04.-05. Juli 2015, 27478 Cuxhaven, 225€ zuzgl. Anlagennutzung, Getränke und Mittagessen und ggf. Pferdeunterbringung,
Anmeldung bei nicole.baumgarten@gmx.info bis 01. Juni 2015. Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Zahlungseinganges berücksichtigt.
Hunde bitte möglichst zuhause lassen. Hier findet ihr die
AGBs.

Mittwoch, 22. April 2015

Faszientraining für Mensch und Pferd

  "Es ist schon erstaunlich wie lange so ein Seminar nachwirkt und wirkt und wirkt... Das Schriftkrams und die Fremdwörter sind nicht so mein Dings, aber das Erspüren und Erfühlen und selbst Erleben!" - Das schrieb Sabine einige Wochen nach einem der Seminare am Modenbacher Hof. Weil das Erfühlen und Nachspüren, die neuen Bewegungserkenntnisse und -ideen so viel bei ihr bewegt haben, findet jetzt dieses Seminar bei ihr auf der Sarbi-Ranch, einem kleinen Privatstall, statt.
 
„Ja, und was mache ich jetzt, wie setze ich das um?“ Eine häufige Frage am Ende der Seminare „Lebendige Biomechanik und Faszienfunktion“, vor allem, wenn der Verstand versucht hat, alles einzusortieren – in den ihm bekannten Ordnern. Vielleicht kann man es so sehen: Der Verstand hat nur begrenzten Zugriff auf den Datenspeicher des Faszienkörpers, weshalb ihm dieser suspekt ist.

Kein Mensch ist nur sein Verstand. Aber viele identifizieren sich mit ihrem Verstand, weil sie ihn mit ihrem Selbst verwechseln und haben deshalb zu dem großen Feld der Möglichkeiten des Faszienkörpers keinen Zugang. Das lässt sich ändern. Die Übungen auf der Körperebene schulen die Wahrnehmung dessen, was ist, dessen, was man tut und dessen, was aufgrund der eigenen Handlung geschieht.

Nicht nur als Bewegungsorgan will der Faszienkörper trainiert sein, sondern auch als Wahrnehmungsorgan. Etwa zwei Drittel der Nerven in diesem Organ sind für Wahrnehmung zuständig, nur ein Drittel für die motorische Steuerung. Der Verstand ist mit der Verarbeitung der Bewegungsdaten überfordert, vor allem, wenn es um die Räumlichkeit der ganzheitlichen Bewegung im Faszienkörper geht. Aus dem „Raumeinnehmen“ und dem „Raumfühlen“ entstehen neue Konzepte sowohl für die eigene Bewegung als auch für das Training der Pferde.
 
Das hört sich jetzt sehr kompliziert an, da wir aber in Bewegung forschen werden, ist alles halb so wild. Der schwierigste Part ist, den Seminarinhalt in Worten darzustellen, denn – wie oben erwähnt – der Verstand mag diese Komplexität der Zusammenhänge nicht. Dafür aber der Körper, für den sich neue Welten erschließen. Und die Pferde – die finden diese Arbeit richtig klasse.
 
Es ist ein Bewegungsseminar für alle Beteiligten, bei dem es nicht nur darum geht, den Körper zu trainieren, sondern auch um mentale und emotionale Beweglichkeit, Geschmeidigkeit, Kraft und Durchlässigkeit. Dazu kommt eine Einführung in "Impulsfreies Longieren" und "Impulsfreie Zügelführung".
 
„Ja, und was mache ich jetzt, wie setze ich das um?“ Was der Körper erlebt und abgespeichert hat, ist immer da. Der Faszienkörper wird einflussreicher, der Verstand weiß jetzt, was er alles nicht weiß und auch nicht wissen kann. Ihr macht euch gemeinsam mit eurem Pferd auf die Reise eures persönlichen Wachstums.

25.-26.April 2015, Sarbi-Ranch, Weinbrünnlestraße 119, 76359 Marxzell-Pfaffenrot, 160€, Beginn 9.30 Uhr, Anmeldung bis 13.04.2015. Es ist ein Platz freigeworden.

Sonntag, 19. April 2015

Vortrag

Heute auf der Mitgliederfortbildung des Berufsverbandes der NHC-Hufpfleger "Keep it natural e.V.":

Ein Vortrag, der mir Spaß gemacht hat. Über „Lebendige Biomechanik aus der Sicht des Pferdes“ sowie die Faszienfunktion und deren Bedeutung für die Fußung und damit auch für die Hufform.

Bereits bei der Ausarbeitung des Vortrages habe ich viel gelernt, allein dadurch, dass ich mir selbst viele Fragen gestellt und die Zusammenhänge nochmals neu überdacht und betrachtet habe. Obwohl ich aufgrund der knapp bemessenen Zeit - die ich dann doch um eine halbe Stunde überzogen habe - die verschiedenen Themenbereiche nur sehr komprimiert vorstellen konnte, hat mir das Feedback gezeigt, dass sehr viel verstanden wurde, und den gestellten Fragen war zu entnehmen, dass sich einige TeilnehmerInnen weiter mit den Themen befassen werden.

Das Publikum war toll, sehr konzentriert und interessiert, und die Atmosphäre sehr angenehm. Derartige "Blicke über den Tellerrand", in diesem Fall von der Hufbearbeitung zum Faszientraining, ermöglichen weitere Einsichten und Entwicklungen im Sinne der Pferdegesundheit.

Danke!

Mittwoch, 15. April 2015

Simplify your Riding

 


"Der nächste Punkt für die Überlegungen zum Nicht Mehr Einverstanden Sein ist die Behandlung des Pferdes als Sklave, als Sportgerät, als zu unterwerfende Gefahr, als Projektionsfläche, als Prestigeobjekt, als Patient, als Plattform für Ego-Performance … "  (Zitat aus dem vorigen Post)

Gemeinsam mit Effekt werde ich herausfinden, womit wir beide einverstanden sein können. Die Verhandlungen waren bisher vielversprechend.

Sonntag, 12. April 2015

Die Kultur des Nicht Einverstanden Seins beleben

Häng ich mich rein – häng ich mich nicht rein – häng ich mich rein  –  –  –  ja, ich häng mich rein.
 
Erica Franz hat sich mit ihrem Post zu einem offiziellen Video über Clinton Anderson, einen bekannten australischen Westerntrainer, exponiert und sich einem Shitstorm und Hassmails ausgesetzt. Dazu habe ich bereits einen Post auf Englisch verfasst. Da einer ihrer letzten Posts sich mit dem Nicht Einverstanden Sein auseinandersetzt und ich mich erinnere, in meinem Buch ebenfalls genau darüber geschrieben zu haben, werde ich jetzt ebenfalls Stellung beziehen.

Denn das Erschreckendste an den Kommentaren zu Ericas Post war für michwas alles als normal betrachtet wird: „But, he gets results“.

Da reitet ein großer, schwerer Mann zweijährige Pferde, bei denen noch alle Wachstumsfugen der Wirbelsäule und der großen Gelenke der Extremitäten offen sind, mit bis zum Anschlag verbogenen Hälsen und der Ausstrahlung wandelnder Leichen in den Boden hinein. Zeigt Spins und Stops.
 
 „But – he gets results“.

1 Bis alle Wachstumsfugen geschlossen sind, hat ein Pferd, wenn es lange körperlich und psychisch gesund bleiben soll, genug damit zu tun, Tragkraft in freien Gängen auf großen Linien, am besten im Gelände, zu entwickeln. Dadurch trainiert sich der Fazienkörper und damit der Selbsterhaltungstrieb des Körpers, in jeder Situation seinen Raum einznehmen.

2 Es gibt keine biomechanische oder sonstige sinnvolle Begründung dafür, warum ein Pferd dem Gebiss bis hinter die Senkrechte, unter Buggelenkshöhe und über die Marschrichtung der nächsten zwei Tritte hinaus nachgeben sollte.

3 Ein Trab mit Einbeinstütze vorne (im schlimmsten Fall mit Vierbeinstütze) ist kein Trab, sondern ein Zeichen fehlerhafter Ausbildung. Desgleichen Galopp ohne Schwebephase. Und irgendwann auch die Viertakt-Piaffe.

Das sind ein paar Fakten, die man sich bewusst machen sollte. Und dann kann man sich umsehen, wie überall ausgebildet wird. Und mal die Augen aufmachen. Und endlich anfangen, Nicht Mehr Einverstanden zu Sein. Und zwar nicht nur, wenn man solche ganz bösen Videos sieht.

Ein prima Ansatzpunkt ist die Einbeinstütze vorne im Trab. Die ist einfach zu erkennen und ganz wertfrei einfach da. Dann kann man natürlich sagen: Das ist doch überall so. Man könnte aber auch fragen: Warum ist das so, was hat das für Folgen und wie kann man das ändern? Vor allem könnte man zu dem Schluss kommen, dass Ausbildungssysteme, in denen dieses Symptom als normal betrachtet wird, so großartig nicht sein können.

Der nächste Punkt für die Überlegungen zum Nicht Mehr Einverstanden Sein ist die Behandlung des Pferdes als Sklave, als Sportgerät, als zu unterwerfende Gefahr, als Projektionsfläche, als Prestigeobjekt, als Patient, als Plattform für Ego-Performance …

Hier tut sich ein sehr, sehr weites Feld auf, oft vermischen sich diese verschiedenen Rollen, die dem Pferd vom Menschen zugeteilt werden.

In einer echten Partnerschaft mit dem Pferd ist Kommunikation der Schlüssel, eine Kommunikation, die weit über Worte und und auswendig gelernte Halbsätze hinausgeht. Es geht um Raum einnehmen und Raum geben, um Raum verhandeln. Um Persönlichkeitsentfaltung für alle Beteiligten, und nicht um Gelenkwinkelfaltung. ;)  In einer Partnerschaft kann man sich durchaus mal streiten, aber bitte nach partnerschaftlichen Regeln. 
 
Hier kommen wir an den Punkt, an dem es lebensbedrohlich wird, nicht mehr einverstanden zu sein. Zumindest für das Ego. Wenn wir das Pferd nicht mehr klein machen, müssen wir selbst wachsen. Und wenn wir das tun, wachsen wir vielleicht aus unserer eigenen Rolle als Ehepartner, Angestellte, Kumpels, Vereinsmitglieder, Kinder oder nützliche Mitglieder der Gesellschaft heraus. Das wird unbequem. Wachstum zieht Veränderung nach sich.

Wenn wir dem Pferd beibringen wollen, für uns zu kämpfen, anstatt es zu bekämpfen, müssen wir uns überlegen, wofür wir selbst kämpfen. Nicht Mehr Einverstanden Sein bedeutet nicht, dagegen sein, das wäre nur der Anfang. Es bedeutet, sich selbst klar zu machen, wo man gegen sein inneres Gefühl, seine innere Wahrheit handelt. Es bedeutet, sich nicht mehr klein halten zu lassen. Es bedeutet, den inneren Wust aus übernommenen Glaubenssätzen und falschen Schlüssen aufzudröseln, um dann nach Alternativen zu suchen und diese bekannt zu machen.

Nicht Mehr Einverstanden Sein ist eine Lebensaufgabe.
 
Wer sich nicht als Kämpfer, Visionär oder Pionier sieht, kann zumindest mit klarem Verstand entscheiden, wem er warum folgt - und wem nicht.
 
Menschen wie Clinton Anderson und andere werden unwichtig, wenn ihnen niemand mehr folgt, niemand mehr zujubelt und niemand die auf diese Art eingerittenen Pferde kaufen will.

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