Dienstag, 30. Dezember 2014

Urlaubsseminar in Südfrankreich



In der malerischen Landschaft der Vor-Pyrenäen, etwa 50 Kilometer westlich von Perpignan, bieten Sonja Matthey und ich gemeinsam eine Urlaubsseminarwoche an.

Das Seminar beinhaltet drei Tage „Lebendige Biomechanik, Körperintelligenz und Faszien-training“, einen freien Tag mit (oder ohne) Marktbesuch in Soulatge und drei Tage „Bewusst-Sein mit Pferden“ beim pferde-gestützten Erfahrungslernen mit Sonja Matthey:
„Lebendige Biomechanik, Körperintelligenz und Faszientraining“

In entspannter Urlaubsatmosphäre die Gesetzmäßigkeiten der Biomechanik und die Eigenschaften des Faszienkörpers ergründen, das Zusammenspiel von Biomechanik und Faszienfunktion verstehen, eine neue Vorstellung von Körperintelligenz und funktionalen Einheiten sowie ein reitweisenunabängiges Verständnis von positiver Bewegung entwickeln – ein hochinteressantes Programm, das auf allen Ebenen Veränderungen in Gang bringt.

„Pferdegestütztes Erfahrungslernen“
 
Bewusst-Sein mit Pferden und Eseln. Sonja Mattheys Arbeit ermöglicht einen neuen Zugang zum eigenen Sein und vor allem für Pferdemenschen eine Reise zur Quelle: zu dem, was wir wirklich mit den Pferden leben wollen und zu dem, was sie uns lehren können. Auf liebevolle Weise lassen sie uns in den Spiegel schauen, helfen uns, ganz im Jetzt zu sein und bereiten so den Weg in die Zukunft.

Es lohnt sich, vor und nach dem Seminar ein paar Tage für die weitere Erkundung der Gegend einzuplanen. Wildromantische Schluchten, heiße Quellen und zahllose Katharerburgen laden zu Besuchen ein und in knapp einer Stunde ist man in Perpignan und am Meer.

13.(Anreisetag) -21.Juni (Abreisetag) 2015. 750€ inklusive Frühstück, Mittagessen und Vesper. Auf Wunsch kann abends gekocht werden, was - ebenso wie alkoholische Getränke - extra abgerechnet wird. Für preiswerte Unterkunft stehen Zirkuswagen, Caravan oder Cabanne* , 20-40€ pro Nacht, zur Verfügung. Es kann auch auf dem Gelände gezeltet werden. Max. zehn TeilnehmerInnen. Mit der Anmeldung gelten die AGB  als akzeptiert.
*Für alle, die genausowenig wissen, was das ist, wie ich, bevor ich nachgefragt habe: Das ist eine Holzhütte

Montag, 22. Dezember 2014

Winterpause

 
 
Bin dann mal weg!
 
Danke euch allen und den Pferden für die schönen Seminare, die erfrischenden Begegnungen
und ein Jahr voller neuer Entwicklungen. 
Euer Interesse an meiner Arbeit beflügelt mich, in der Winterpause all die neuen Fäden mit in den großen Teppich zu weben, auch wenn es diesmal kein Buch werden soll.
Ich freue mich auf 2015!
 
Schöne und besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr
wünsche ich euch von ganzem Herzen.
 
 
Foto: (c) Rita Kochmarjova, Fotolia


Sonntag, 14. Dezember 2014

Der Raum der Möglichkeiten

Die Arbeit mit Pferden im Rahmen von Seminaren ist immer wieder überraschend, erfreulich, erstaunlich und wunderbar. Ein mir fremdes Pferd an die Longe zu bekommen und – nachdem ich erzählt bekommen habe, wie dieses Pferd sei und welche Probleme es habe – es persönlich zu fragen, wie es ist, wie es ihm geht und was es möchte, ist jedesmal eine Entdeckungsreise.

Zuletzt war es Sonny, die mich so erstaunt hat. Eine träge wirkende Rappstute, vor etwa einem Jahr als "schweres Warmblut" gekauft. Zwölf Jahre alt, „angefressen“ mit kurzer Stehmähne auf dickem Hals, schwere, große Hufe, halb geschlossenen Augen und offensichtlich schlecht gelaunt. Scheinbar desinteressiert stand sie am Reitplatz angebunden, während ich mit anderen Pferden arbeitete. Ihr offizielles Problem: Sie kann auf der linken Hand nicht galoppieren.

Der Kappzaum, der von Shetty bis Schwarzwälder Fuchs alles kann, passte gerade eben an den großen Kopf. Meine Frage, die ich einem fremden Pferd stelle, scheint zu lauten: „Und was sagst du dazu?“ Sonny ging knapp zwei Runden im Schritt und als am Zaun jemand sagte: „Du fängst ja auf ihrer schwierigen Hand an“, galoppierte sie auf der linken Hand los. Explosiv, nicht besonders schön, auch nicht gerade leicht in der Hand, aber Linksgalopp. Als wollte sie sagen: „Blödsinn!“

Was danach kam, war in meinen Augen befreiende Traumaarbeit (Pferde arbeiten Traumata durch Bewegung ab). Sie zeigte im Trab Bewegungen, die ich sonst am ehesten mit dem morgendlichen Austoben der Hengste in Lipica verbinde, die dort auch „Ihre Zeit“ an der Longe haben durften. Wie das dort heute ist, weiß ich nicht. Sonny jedenfalls gab alles. Von beeindruckenden Luftsprüngen über unglaubliche Schulterfreiheit und einen schwingenden Rücken bis zu einem locker in Bewegungsrichtung schlängelnden Hengsthals. Auf beiden Händen, leichtfüßig – toll.

Sonny zeigte uns, wie sie sein könnte. Sie nutzte den Raum der Möglichkeiten für sich, frei von Vorgaben und sich über alle negativen Glaubenssätze ihre Person betreffend hinwegsetzend. Am liebsten hätte ich sie eingepackt und mitgenommen!

Es wird sicher interessant, wenn sie jetzt in der dreimonatigen Winterpause des Schulbetriebes regelmäßig zweimal wöchentlich „ihre Zeit“ bekommt, um sich zu entfalten. Solche Pferde brauchen keine „Korrektur“, sie brauchen Spielraum, den Raum der Möglichkeiten! Das war vermutlich die wesentlichste Erkenntnis dieses Seminars und es freut mich sehr, dass diese zwei Tage am Anfang der Winterpause stattgefunden haben, so dass sich jetzt auch für die Pferdebesitzerin und ihre anderen Pferde ein Raum der Möglichkeiten auftut.

Einfach schön!


Mittwoch, 10. Dezember 2014

Nachlese zum Seminar „Faszientraining ist Einstellungssache“

Wider Erwarten war die Stimmung am Wochenende deutlich freundlicher als ich mir das bei der Ausschreibung des Seminars ursprünglich vorgestellt hatte. Meine Vision* ging damals eher in Richtung „Improvisationstheater im Haifischbecken“.... *lach* ... 

Foto: Gaby Völker-Schanné
…. und dann kommen da viele unvoreingenommene, offene, sehr wissensdurstige und aufnahmefähige Menschen zu einem wunderbaren Wochenende zusammen. Allen TeilnehmerInnen lag vor allem am Herzen, tiefer in die Materie einzutauchen, um den Pferden über die Behandlung hinaus besser helfen und den Pferdebesitzern neue Wege anbieten zu können. Obwohl zwei Tage lange nicht ausreichen, um die Themen erschöpfend zu behandeln, haben doch alle ein Gefühl bekommen für den Faszienkörper und den Raum der Möglichkeiten, der sich aufgetan hat. Es freut mich, dass die Gruppe beschlossen hat, in Kontakt zu bleiben und sich über die Entwicklungen auszutauschen. So war das Seminar gedacht, als Anstoß für die TeilnehmerInnen, eigene Ideen zu verfolgen!
 
Foto: Amelie
Der Modenbacherhof als Seminarort (links der Blick ins Modenbachtal mit weniger Nebel als auf dem oberen Bild ) hat sich mit dem gemütlichen Kachelofenzimmer und dem leckeren Essen wieder bewährt, und ich freue mich schon auf die nächsten Seminare dort. Am 14.-15.Februar 2015 geht es dort mit dem Seminar „Lebendige Biomechanik und Faszienfunktion 1“ weiter. Auch diesmal wieder mit Übernachtungsmöglichkeit am Hof (ÜVP ca.45€) und leckerer vegetarischer oder veganer Verpflegung. Pferde können mitgebracht werden, der Hof ist auch Wanderreitstation.

* Ich hatte mit viel mehr „ja aber“s gerechnet, mit mehr Widerstand gegen meine Sichtweise und Vorbehalten gegen meine Erfahrungen und Erkenntnisse als Praktikerin ohne medizinische Ausbildung. In dem Fall habe ich mich gerne mal geirrt!


Donnerstag, 4. Dezember 2014

Form und Funktion

Ich habe mir erlaubt – mit freundlicher Genehmigung – Teile eines Textes über Kampfkunst von Großmeister Kernspecht, (WingTsun-KungFu), auf das Reiten zu übertragen:

(…) hin zu einem stilfreien*, prinzipientreuen, funktionsorientierten (...)-System, das sich in ständiger Evolution befindet, bei dem die Form der Funktion folgt und nicht umgekehrt.
Ein System, bei dem es nicht darum geht, Übungen zu üben, sondern aus ihnen zu lernen.

 (...) nicht Techniken einschleifen, um sie 1:1 (...) anzuwenden, sondern die ewigen funktionalen Prinzipien (…) erkennen und verstehen und (...) umsetzen.

 Kein „Gliederpuppen-(Reiten)“ soll verwirklicht werden, sondern ein ganzkörperliches (Reiten), das die Initialkraft des Rumpfes benutzt.

 Unser Bewegen geht von Stärke zu Stärke und nicht nur vom sicheren Hafen einer Endposition zum nächsten. In jedem beliebigen Punkt unseres Bewegungsflusses können wir somit (gemeinsam mit dem Pferd) optimale Kraft hervorbringen, (…).


Das ist für mich REITEN.

*„Stilfrei“ lässt sich in Bezug auf das Reiten am Besten mit „reitweisenunabhängig“ übersetzen.