Dienstag, 21. Oktober 2014

Longenarbeit

Ohne weitere Erklärungen (mach dir mal selbst ein Bild) bekomme ich den fünfzehnjährigen Schwarzwälder Fuchs Jasper in die Hand gedrückt. Zum Longieren. Na denn. Kurz klarstellen, dass auf meinen Füßen kein Platz für ein Pferd ist, und ab dafür. Hm. Etwas eckig. Ah, Problem erkannt. Gleichzeitig schieben und abwenden „geht nicht“. Doch, geht. In Ruhe. Ach so. Und wenn der Kreis zu groß ist, nimmt er mich nicht wahr. Kleiner Kreis ist einfacher. Klappt. So gut, dass ich sogar unterwegs meinen beim Kappzaum richten verlorenen Handschuh wieder einsammeln kann. Auf dem Video – das ist die Sequenz mit dem Handschuh – wirkt er regelrecht eifrig.

video
 
Was mir vorher keiner gesagt hatte war, dass dieses Pferd „nicht longierbar“ war. Manchmal ist es besser, nicht alles zu wissen. * lach *
 
Kommentar von Nicole, Jaspers Besitzerin: Jasper zum ersten Mal an der Longe. Marens Arbeit mit ihm hat mich sehr beeindruckt. Ich arbeite mich durch ihr Buch und das ist wirkliche Kopf- und Herzarbeit. Die Theorie ist das eine, allerdings bin ich mehr ein praktischer Mensch und bin froh, dass ich Jasper in Aktion sehen konnte!

Sonntag, 19. Oktober 2014

Fortsetzung des Seminars „Lebendige Biomechanik“

Auf besonderen Wunsch zweier TeilnehmerInnen des ersten Seminars auf dem Modenbacherhof  im Oktober gibt es im November Nachschlag: Ein Wochenendseminar mit Übernachtung und Vollpension in märchenhafter Lage im östlichen Pfälzerwald. Ein Seminar für alle, die bereits an einem Biomechanik-Seminar teilgenommen haben. All die Fragen, die in der Folge bei der täglichen Arbeit in der eigenen Praxis aufkommen, werden hier behandelt. Zudem – auf besonderen Wunsch – werden sowohl die Arbeit mit dem Herzfeld als auch die Körperarbeit mit neuen Push-Hands-Übungen ihren Platz haben.
     Auch das gegenseitige Longieren, mit dem ich in den letzten Seminaren angefangen habe, bietet ein weites Lernfeld bezüglich Gegenwärtigkeit, Durchlässigkeit, Widerstandsfreiheit, Gelassenheit und Stabiliät. Auch das Wesen des Faszienkörpers lässt sich tiefergehend erfahren, wenn das Basiswissen bereits vorhanden ist.

Die Vereinspferde von „Tiere erleben e.V.“ werden unser Sehen und unsere Wahrnehmung schulen, eigene Pferde sind ebenfalls willkommen.

22.-23.11.2014, Modenbacherhof, 76835 Burrweiler, 160€ plus 10€ Mittagessen (vegetarisch/vegan) und Kachelofen (oder ca. 45€ pro Tag ÜVP) und ggf. Pferdeunterbringung. Beginn Samstag 10.00, Ende Sonntag ca. 16.00.
 
Foto: Sven Cramer, Fotolia

Freitag, 17. Oktober 2014

Fortbildung des Falada e.V.

(c) Victoria Makarova
Am 25.10.2014 findet auf dem Ganerbhof in Hassloch eine Mitgliederfortbildung statt, bei der ich zum Thema „Reitweisen aus dem Blickwinkel der Biomechanik“ referieren werde. Biomechanik ist unbestechlich und reitweisenunabhängig, das menschliche Denken jedoch nicht. Von außen sehen wir Equipment, Techniken und bestimmte Lektionen. Wer eine Reitweise betreibt, hat Vorbilder und Ideale und eine reitweisenspezifische Vorstellung von „des g´hert so“.

Arbeitsziel ist es, das weniger Offensichtliche unter der Oberfläche ergründen und zu lernen, reitweisenübergreifend zu denken. Warum? Weil die aktiven Falada-Mitglieder in der Lage sein sollten, biomechanische Zusammenhänge unabhängig von Equipment und Pferderasse zu erkennen und (irgendwann dann...) auch anderen erklären zu können.
 
Veranstaltungsort: Ganerbhof in Hassloch (gegenüber Holiday-Park), 10.00-16.00, Kostenbeitrag 40€, für Nichtmitglieder 70€. Verbindliche Anmeldungen per Email an Christof Roerig-Weisbrod, roerigweisbrod@online.de

Dienstag, 14. Oktober 2014

Nachlese zum Seminar "Lebendige Biomechanik" am Modenbacherhof am 11.-12.10.2014

 "Es war wirklich einmalig und so hilf- und lehrreich, dass ich voller Elan nicht nur mit Jackson, sondern auch Shetty Polly die neue Arbeit angefangen habe! Kugelige Eleganz bei Polly und vorsichtige Freude bei Jackson sind das Resultat des ersten Tages. Dank Frau von Haxthausen und Dir war das eine Mischung aus "die Mädels vom Immenhof" und dem Gefühl, endlich etwas verstanden und gelernt zu haben, und das umfassend! Im November wäre ich auf jeden Fall wieder dabei!"   (Gabi Wieke)
 
Gaby Völker-Schannés FotoMir hat das Seminar ebenfalls richtig gut gefallen. Erstmals hatte ich SeminarteilnehmerInnen, die am Hof übernachtet haben und das volle Programm mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen genießen durften - Mittag- und Abendessen gab es für uns alle.
Die Pferde des Vereins Tiere erleben e.V. haben die Gelegenheit einer Extra-Trainingseinheit gut genutzt und die Biomechanik-Bilder in den Köpfen der Teilnehmerinnen in Bewegung gebracht. Da hier eine enorm aufnahmefähige und wissbegierige Truppe zusammen war, durfte ich auch mal alles geben.  ;))
Auf die Berichte über die Entwicklung der Arbeit bei den Seminarteilnehmerinnen bin ich sehr gespannt, der obige Bericht ist ja bereits vielversprechend. Das angedachte November-Seminar wird sich unter anderem mit den in der täglichen Arbeit auftauchenden Fragen befassen. Ende November kann dann auch der Kachelofen mal zeigen, was er kann.
 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Gebäudefehler?

Um ehrlich zu sein: ich mag diesen Begriff nicht. Er legt Pferde darauf fest, so zu sein, wie sie gerade sind, er dient als Ausrede für fehlendes Training, falsche Ausbildung, unpassende Vorstellungen und reiterliches Unvermögen. Er zementiert einen Status Quo, ohne Entwicklungschancen aufzuzeigen.

Der Begriff Gebäude bezieht sich vornehmlich auf die knöcherne Struktur, und die ist, was die Größenverhältnisse der Knochen und die Gelenkwinkel angeht, bei allen Pferden nahezu gleich. Dazu kommt die Erbveranlagung bezüglich Größe und Muskulatur.
 
(c) Maren Diehl
Natürlich sieht ein Araber anders aus als ein Friese. Gut trainiert sehen jedoch beide aus wie ein gut trainiertes Pferd mit einem guten Gebäude. Habe ich da gerade verschiedene Ja, aber...!s gehört? Dann bleibe ich einfach bei einer beliebigen Pferderasse. Sucht euch eine aus.

Nehmen wir einfach fünf verschiedene Pferde: Nummer 1 ist ein vierjähriger Hengst, auf einer großen Jungpferdekoppel mit anspruchsvollem Gelände aufgewachsen. Nummer 2, im gleichen Alter, jedoch früh gelegt, ist aus Privatzucht und bei Mama auf einer ebenen Wiese in doppelter Reitplatzgröße groß geworden. Nummer 3 hat vor zwei Jahren sechsjährig eine schwere Hufrehe durchgemacht. Nummer 4, zwölf Jahre alt, wird vorwiegend in versammelnden Lektionen geritten, Nummer 5 hat eine Pleasurehorse-Ausbildung.

Selbst wenn diese Pferde Klone wären, würden sie sich im „Gebäude“ sehr offensichtlich unterscheiden. Da ein lebendiger Körper immer ein Bild seiner eigenen Geschichte wiedergibt, kommen verschiedene Signaturen von Lebensereignissen und -phasen dazu. Zu schwere Reiter, zu frühe Belastung, Unfälle, Krankheiten, zu üppige oder zu magere Ernährung: All das hinterlässt Spuren. Dazu kommt die Wirkung der Psyche auf den Körper. Hat das Pferd genügend Anregung und Gesellschaft, hat es seinen Stolz behalten? Kann es seine Umgebung überblicken? Und mit welchen Menschen hat es zu tun?

Das Exterieur eines Pferdes spiegelt nicht nur seine Abstammung, sondern vor allem seine persönliche Geschichte wieder. Mit all ihren Aspekten.

Wenn ich mit einem Pferd anfange zu arbeiten, schreiben wir gemeinsam ein neues Kapitel ins Lebensbuch. Dieses Kapitel schließt an die vorangegangenen Kapitel an und baut auf ihnen auf. Ich lese die vorherigen Kapitel so gut ich es vermag, aber sie sind (hoffentlich) abgeschlossen.

Ein neues Kapitel können wir nur schreiben, wenn wir eine Idee haben, wohin der Weg führen soll, da der Ist-Zustand das Ergebnis der abgeschlossenen Kapitel ist. Der Ist-Zustand ist ein Punkt auf der Zeitleiste, von dem aus ich mich mit dem Pferd in die Veränderung bewege.

Am schnellsten ändern sich die Lebens- und Arbeitseinstellung. Ein wichtiger Schritt. Dann ändert sich das Verständnis des Pferds für seinen Körper und dessen Möglichkeiten. Und dann, im Laufe der Monate und Jahre, ändert sich das Exterieur. Stressmuskulatur verschwindet, Kraft und Schwung entwickeln sich – gemeinsam mit einer glatten, ganzheitlichen Muskulatur und der Erneuerung des Faszienkörpers. Die Bewegungen werden leichter und sicherer, der falsche Knick verschwindet zusammen mit dem Knubbel auf der Lendenwirbelsäule.

Das ganze Pferd verändert sich und damit auch das Gebäude. Die Fehler waren nicht dem Skelett anzulasten oder dem Erbgut. Ein Pferd kann sich genauso ändern wie ein Mensch. Vielleicht sogar einfacher, da das Pferd durch die Gewohnheiten des Menschen geworden ist, wie es ist und nur zum geringen Teil durch seine eigenen Gewohnheiten. Jedes Pferd, dessen Lebens- und Bewegungsfreude sich noch wecken lässt, kann sich verändern.

Samstag, 4. Oktober 2014

Mitfahrgelegenheit

Zum Seminar "Lebendige Biomechanik" am 11.-12.10.2014 am Modenbacherhof gibt es eine Mitfahrgelegenheit aus Schweinfurth/Würzburg über Heilbronn. Abfahrt Samstag früh.
Und es ist ein Platz frei geworden, auch für Teilnahme mit eigenem Pferd.