Dienstag, 30. Dezember 2014

Urlaubsseminar in Südfrankreich



In der malerischen Landschaft der Vor-Pyrenäen, etwa 50 Kilometer westlich von Perpignan, bieten Sonja Matthey und ich gemeinsam eine Urlaubsseminarwoche an.

Das Seminar beinhaltet drei Tage „Lebendige Biomechanik, Körperintelligenz und Faszien-training“, einen freien Tag mit (oder ohne) Marktbesuch in Soulatge und drei Tage „Bewusst-Sein mit Pferden“ beim pferde-gestützten Erfahrungslernen mit Sonja Matthey:
„Lebendige Biomechanik, Körperintelligenz und Faszientraining“

In entspannter Urlaubsatmosphäre die Gesetzmäßigkeiten der Biomechanik und die Eigenschaften des Faszienkörpers ergründen, das Zusammenspiel von Biomechanik und Faszienfunktion verstehen, eine neue Vorstellung von Körperintelligenz und funktionalen Einheiten sowie ein reitweisenunabängiges Verständnis von positiver Bewegung entwickeln – ein hochinteressantes Programm, das auf allen Ebenen Veränderungen in Gang bringt.

„Pferdegestütztes Erfahrungslernen“
 
Bewusst-Sein mit Pferden und Eseln. Sonja Mattheys Arbeit ermöglicht einen neuen Zugang zum eigenen Sein und vor allem für Pferdemenschen eine Reise zur Quelle: zu dem, was wir wirklich mit den Pferden leben wollen und zu dem, was sie uns lehren können. Auf liebevolle Weise lassen sie uns in den Spiegel schauen, helfen uns, ganz im Jetzt zu sein und bereiten so den Weg in die Zukunft.

Es lohnt sich, vor und nach dem Seminar ein paar Tage für die weitere Erkundung der Gegend einzuplanen. Wildromantische Schluchten, heiße Quellen und zahllose Katharerburgen laden zu Besuchen ein und in knapp einer Stunde ist man in Perpignan und am Meer.

13.(Anreisetag) -21.Juni (Abreisetag) 2015. 750€ inklusive Frühstück, Mittagessen und Vesper. Auf Wunsch kann abends gekocht werden, was - ebenso wie alkoholische Getränke - extra abgerechnet wird. Für preiswerte Unterkunft stehen Zirkuswagen, Caravan oder Cabanne* , 20-40€ pro Nacht, zur Verfügung. Es kann auch auf dem Gelände gezeltet werden. Max. zehn TeilnehmerInnen. Mit der Anmeldung gelten die AGB  als akzeptiert.
*Für alle, die genausowenig wissen, was das ist, wie ich, bevor ich nachgefragt habe: Das ist eine Holzhütte

Montag, 22. Dezember 2014

Winterpause

 
 
Bin dann mal weg!
 
Danke euch allen und den Pferden für die schönen Seminare, die erfrischenden Begegnungen
und ein Jahr voller neuer Entwicklungen. 
Euer Interesse an meiner Arbeit beflügelt mich, in der Winterpause all die neuen Fäden mit in den großen Teppich zu weben, auch wenn es diesmal kein Buch werden soll.
Ich freue mich auf 2015!
 
Schöne und besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr
wünsche ich euch von ganzem Herzen.
 
 
Foto: (c) Rita Kochmarjova, Fotolia


Sonntag, 14. Dezember 2014

Der Raum der Möglichkeiten

Die Arbeit mit Pferden im Rahmen von Seminaren ist immer wieder überraschend, erfreulich, erstaunlich und wunderbar. Ein mir fremdes Pferd an die Longe zu bekommen und – nachdem ich erzählt bekommen habe, wie dieses Pferd sei und welche Probleme es habe – es persönlich zu fragen, wie es ist, wie es ihm geht und was es möchte, ist jedesmal eine Entdeckungsreise.

Zuletzt war es Sonny, die mich so erstaunt hat. Eine träge wirkende Rappstute, vor etwa einem Jahr als "schweres Warmblut" gekauft. Zwölf Jahre alt, „angefressen“ mit kurzer Stehmähne auf dickem Hals, schwere, große Hufe, halb geschlossenen Augen und offensichtlich schlecht gelaunt. Scheinbar desinteressiert stand sie am Reitplatz angebunden, während ich mit anderen Pferden arbeitete. Ihr offizielles Problem: Sie kann auf der linken Hand nicht galoppieren.

Der Kappzaum, der von Shetty bis Schwarzwälder Fuchs alles kann, passte gerade eben an den großen Kopf. Meine Frage, die ich einem fremden Pferd stelle, scheint zu lauten: „Und was sagst du dazu?“ Sonny ging knapp zwei Runden im Schritt und als am Zaun jemand sagte: „Du fängst ja auf ihrer schwierigen Hand an“, galoppierte sie auf der linken Hand los. Explosiv, nicht besonders schön, auch nicht gerade leicht in der Hand, aber Linksgalopp. Als wollte sie sagen: „Blödsinn!“

Was danach kam, war in meinen Augen befreiende Traumaarbeit (Pferde arbeiten Traumata durch Bewegung ab). Sie zeigte im Trab Bewegungen, die ich sonst am ehesten mit dem morgendlichen Austoben der Hengste in Lipica verbinde, die dort auch „Ihre Zeit“ an der Longe haben durften. Wie das dort heute ist, weiß ich nicht. Sonny jedenfalls gab alles. Von beeindruckenden Luftsprüngen über unglaubliche Schulterfreiheit und einen schwingenden Rücken bis zu einem locker in Bewegungsrichtung schlängelnden Hengsthals. Auf beiden Händen, leichtfüßig – toll.

Sonny zeigte uns, wie sie sein könnte. Sie nutzte den Raum der Möglichkeiten für sich, frei von Vorgaben und sich über alle negativen Glaubenssätze ihre Person betreffend hinwegsetzend. Am liebsten hätte ich sie eingepackt und mitgenommen!

Es wird sicher interessant, wenn sie jetzt in der dreimonatigen Winterpause des Schulbetriebes regelmäßig zweimal wöchentlich „ihre Zeit“ bekommt, um sich zu entfalten. Solche Pferde brauchen keine „Korrektur“, sie brauchen Spielraum, den Raum der Möglichkeiten! Das war vermutlich die wesentlichste Erkenntnis dieses Seminars und es freut mich sehr, dass diese zwei Tage am Anfang der Winterpause stattgefunden haben, so dass sich jetzt auch für die Pferdebesitzerin und ihre anderen Pferde ein Raum der Möglichkeiten auftut.

Einfach schön!


Mittwoch, 10. Dezember 2014

Nachlese zum Seminar „Faszientraining ist Einstellungssache“

Wider Erwarten war die Stimmung am Wochenende deutlich freundlicher als ich mir das bei der Ausschreibung des Seminars ursprünglich vorgestellt hatte. Meine Vision* ging damals eher in Richtung „Improvisationstheater im Haifischbecken“.... *lach* ... 

Foto: Gaby Völker-Schanné
…. und dann kommen da viele unvoreingenommene, offene, sehr wissensdurstige und aufnahmefähige Menschen zu einem wunderbaren Wochenende zusammen. Allen TeilnehmerInnen lag vor allem am Herzen, tiefer in die Materie einzutauchen, um den Pferden über die Behandlung hinaus besser helfen und den Pferdebesitzern neue Wege anbieten zu können. Obwohl zwei Tage lange nicht ausreichen, um die Themen erschöpfend zu behandeln, haben doch alle ein Gefühl bekommen für den Faszienkörper und den Raum der Möglichkeiten, der sich aufgetan hat. Es freut mich, dass die Gruppe beschlossen hat, in Kontakt zu bleiben und sich über die Entwicklungen auszutauschen. So war das Seminar gedacht, als Anstoß für die TeilnehmerInnen, eigene Ideen zu verfolgen!
 
Foto: Amelie
Der Modenbacherhof als Seminarort (links der Blick ins Modenbachtal mit weniger Nebel als auf dem oberen Bild ) hat sich mit dem gemütlichen Kachelofenzimmer und dem leckeren Essen wieder bewährt, und ich freue mich schon auf die nächsten Seminare dort. Am 14.-15.Februar 2015 geht es dort mit dem Seminar „Lebendige Biomechanik und Faszienfunktion 1“ weiter. Auch diesmal wieder mit Übernachtungsmöglichkeit am Hof (ÜVP ca.45€) und leckerer vegetarischer oder veganer Verpflegung. Pferde können mitgebracht werden, der Hof ist auch Wanderreitstation.

* Ich hatte mit viel mehr „ja aber“s gerechnet, mit mehr Widerstand gegen meine Sichtweise und Vorbehalten gegen meine Erfahrungen und Erkenntnisse als Praktikerin ohne medizinische Ausbildung. In dem Fall habe ich mich gerne mal geirrt!


Donnerstag, 4. Dezember 2014

Form und Funktion

Ich habe mir erlaubt – mit freundlicher Genehmigung – Teile eines Textes über Kampfkunst von Großmeister Kernspecht, (WingTsun-KungFu), auf das Reiten zu übertragen:

(…) hin zu einem stilfreien*, prinzipientreuen, funktionsorientierten (...)-System, das sich in ständiger Evolution befindet, bei dem die Form der Funktion folgt und nicht umgekehrt.
Ein System, bei dem es nicht darum geht, Übungen zu üben, sondern aus ihnen zu lernen.

 (...) nicht Techniken einschleifen, um sie 1:1 (...) anzuwenden, sondern die ewigen funktionalen Prinzipien (…) erkennen und verstehen und (...) umsetzen.

 Kein „Gliederpuppen-(Reiten)“ soll verwirklicht werden, sondern ein ganzkörperliches (Reiten), das die Initialkraft des Rumpfes benutzt.

 Unser Bewegen geht von Stärke zu Stärke und nicht nur vom sicheren Hafen einer Endposition zum nächsten. In jedem beliebigen Punkt unseres Bewegungsflusses können wir somit (gemeinsam mit dem Pferd) optimale Kraft hervorbringen, (…).


Das ist für mich REITEN.

*„Stilfrei“ lässt sich in Bezug auf das Reiten am Besten mit „reitweisenunabhängig“ übersetzen.

Sonntag, 23. November 2014

Nachlese Kachelofenseminar


Ein ungeplanter Gastauftritt von Flocke, Trainingsinhalt: gute Laune durch Faszientraining.
 
 

Montag, 10. November 2014

Seminar "Faszientraining ist Einstellungssache"

Wenn über Faszientraining gesprochen wird, ist oft von Faszienbehandlung die Rede und der Unterschied zwischen Training und Behandlung verschwimmt. In den letzten Jahren habe ich mich ausgiebig mit Faszienfunktion und Biomechanik befasst und möchte die gewonnenen Erkenntnisse gerne mit Menschen aus den Gesundheitsberufen rund ums Pferd  teilen. Im Sinne der Pferde möchte ich Kooperation pflegen, statt zu konkurrieren und Wissen und Erfahrungen weitergeben ohne Recht haben oder eine Methode verkaufen zu wollen.

Da ich nicht über eine medizinische Ausbildung verfüge, sehe ich aus einem anderen Blickwinkel – und von meiner Warte aus lässt sich die Frage „Was weiß ich, wenn ich das weiß?“ in Bezug auf Bewegungsabläufe oft ganz anders beantworten. Die Art und Weise, wie man Biomechanik versteht, ist abhängig von der Idee, die man verfolgt. Die meisten Reiter benutzen die Kenntnisse über die Biomechanik, um mit den richtigen Hebeln das Pferd in eine Form zu bringen. Aus der Sicht des Pferdes ergibt sich eine völlig andere Situation, es geht um Funktion, nicht um Form. Dadurch, dass ich die Sicht des Pferdes zu meiner eigenen gemacht habe, hat sich ein Training entwickelt, das die Pferde physisch und psychisch in ihre Kraft bringt und ihnen hilft, sich gesund zu bewegen und ihren Faszienkörper in Schwingung zu bringen.

Mir ist nicht nur klar geworden, wodurch die verschiedenen Erkrankungen des Bewegungsapparates entstehen, sondern auch, wie sie sich durch gezieltes Training und eine andere Lebenseinstellung vermeiden und oft sogar beheben lassen. Veränderung kann sich jedoch nur einstellen, wenn immer mehr Menschen in der Lage sind, Biomechanik und Faszienfunktion aus der Sicht des Pferdes wahrzunehmen. Den Gesundheitsberufen kommt hier eine Schlüsselfunktion zu, da sie die Brücke zwischen Behandeln und Trainieren schlagen können. Meine Aufgabe sehe ich darin, eine lebendige Vorstellung von Bewegungskompetenz und -intelligenz auf eine Art und Weise zu vermitteln, die es den SeminarteilnehmerInnen ermöglicht, die Anstöße im Sinne der Pferde weiterzugeben.

Dieses Wochenendseminar ist gedacht für alle Menschen, deren Beruf(ung) Pferdegesundheit betrifft und die für sich und/oder mit ihrem Pferd Faszienerfahrung sammeln und dabei auch etwas Spaß haben wollen.

6.-7.12.2014, Modenbacherhof, 76735 Burrweiler. 160€ plus 10€ für Mittagessen (vegetarisch/vegan), Kaffee und Tee  - und den Kachelofen.  ÜVP am Hof: 45€/Übernachtung.
 

Dienstag, 4. November 2014

Trageerschöpfung - ein letztes Mal:

Das Thema Trageerschöpfung ist nun auch bei Cavallo angekommen (etwa vier Jahre nach dem Erscheinen des Buches „Illusion Pferdeosteopathie“ von Tanja Richter, in dem ich diesen Begriff erstmals gelesen habe). Da ich bei der Bildung des Cavallo-Kompetenzteams leider gerade in Urlaub war, reiche ich das, was ich aus meiner Sicht ergänzend zu dem Artikel in der Novemberausgabe 2014 beizutragen habe, als Blogpost nach.


Trageerschöpfung ist der Oberbegriff für eine Disbalance in Skelett und Bewegungsmuskulatur des Pferdes, die sich einerseits in Krankheitsbildern* und Rittigkeitsproblemen**, andererseits in mangelnder Leistungs-bereitschaft und Arbeitsfreude, schlechter Sattellage und fehlerhaftem Muskelaufbau zeigt.
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* Kissing Spines, Hufrolle, Muskelatrophie, Verspannungen, Erkrankungen der Atemwege, Sehnenschäden, Arthrose, Schwerfuttrigkeit etc.
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** Fehlender Schwung, Taktfehler, Stolpern, hölzerne Bewegungen, schwerfällige Übergänge, schlechtes Bergabgehen bis zur Verweigerung, Scheuen etc.

(Text aus dem Seminarprogramm 2012/13)
Trageerschöpfung ist sicher kein Gespenst, das „durch die Pferdewelt geistert“ (Cavallo), sondern ein Begriff, der für ein umfassendes weltweites Ausbildungs- und Trainingsproblem steht. Man kann mit jeder Reitweise sein Pferd mit und ohne Gewalteinwirkung in die Trageerschöpfung reiten, wobei die Veränderungen im Exterieur differieren können, das Ergebnis jedoch das Gleiche ist. Das FN-Pferd hat vielleicht eine nach hinten ausgestellte Hinterhand mit schleppenden Füßen, das Westernpferd hat ein verkrampft abgekipptes Becken mit steifen Hinterbeinen, verschiedene Barock- und Klassikpferde winkeln zwar die Hinterbeine, hängen aber zwischen den Vorderbeinen, was sie durch hohe Aufrichtung im Hals kompensieren. Bilder gibt es dazu viele.

Das zentrale Problem aller Pferde in allen Reitweisen ist, dass ihnen zwar Gehorsam beigebracht wird, sie lernen, eine bestimmte Form einzunehmen und ihre Füße dorthin zu setzen, wo der Mensch sie gerne hätte, sie heben die Füße, sie stoppen, spinnen, piaffieren. Aber eines können sie nicht: Tragen. Die Pferde sind nicht vom Tragen erschöpft, sie sind vom ERTRAGEN erschöpft.

Sie können nicht tragen, weil ihnen nicht beigebracht wurde, ihre Schubkraft zu nutzen und in der Körpereinheit selbst zu kontrollieren. Die Schubkraft wird meistens neutralisiert, weil das einfacher ist. Das Becken wird abgekippt, die Hinterfüße sollen untertreten, das Pferd soll die Hinterfüße heben und wenn das Pferd mal schieben darf, landet der Schub in der eisernen Reiterhand, im Nichts oder im Hebelgebiss, ohne dass das Pferd eine Chance hat, mit seiner Kraft etwas anzufangen. Die Pferde können nicht tragen, weil sie nicht lernen, sich ganzheitlich zu bewegen und ihren Faszienkörper zu nutzen. Allein mit Muskelkraft kann ein Pferd nicht tragen. Die Faszie muss ins Schwingen kommen, und das Pferd muss seinen Schwung und seine Kraft geordnet gegen das Reitergewicht richten lernen. Diese Kraft haben die meisten Reiter leider nur ungeordnet kennen und daher fürchten gelernt: beim Buckeln, wenn das Pferd einen Befreiungsschlag landet. Deshalb die Angst vor der authentischen Kraft des Pferdes.
 
Ganz wichtig: es sind nicht „die Anderen“, um die es hier geht. Wenn Sharon-May Davis bei 100% aller gerittenen und gefahrenen Pferde Ellbogenarthrose befundet, wenn im Cavallo-Artikel Frau Dr. Kutscher bei 90% aller Pferde mindestens die Tendenz zur Trageerschöpfung sieht, dann sind das nicht nur die paar Freizeitpferde, die durch Unterforderung trageerschöpft sind, dann sind das nicht nur die paar Turnierreiter, die ihre Pferde platt reiten, nicht nur die bösen Westernreiter mit ihren langen Sporen und den katzbuckeligen Pferden, es sind nicht nur die Barockreiter, die schwunglos aber stilvoll und in Haltung ihre Bahnen ziehen, auch nicht ausschließlich die das Pferd mit leichter Hand zusammenstauchenden Legerté-Reiter. (Ich hoffe, alle gängigen Vorurteile gleichmäßig bedient zu haben.) Es ist ein flächendeckendes, reitweisenübergreifendes Problem, das seine Ursachen in falsch verstandener Biomechanik und dem Unwissen bezüglich der Funktion des Faszienkörpers hat.

Das Problem ist im Reiterkopf und im Reiterkörper, in den Denk- und Bewegungsmustern. Reitweise, Pferderasse, Alter – unerheblich. Man kann die Trageerschöpfung nicht wegfüttern, nicht wegbehandeln, nicht wegraspeln oder beschlagen. Korrekte Fütterung, Hufbearbeitung, Haltung, Sättel und Behandlung können vorbeugen und den Weg frei machen, aber kein Pferd zum Tragen bringen.
Ein Pferd kann nicht deshalb tragen, weil es ein Pferd ist. Wir Menschen sind in der Pflicht, den Pferden das Tragen beizubringen, anstatt ihnen alles abzugewöhnen, was den Reiter zu gefährden scheint.
 
Wer sich mit Biomechanik befasst, muss nach den Hebeln suchen, die dem Pferd das Tragen ermöglichen, und nicht nach den Hebeln, die es den Reitern ermöglichen, das Pferd in eine bestimmte Form zu bringen oder es mechanisch zu kontrollieren.

Wie gut auch immer man sich in der Biomechanik auskennt, nur in Verbindung mit fundiertem Wissen über den Faszienkörper und eigenen Erfahrungen aus einem selbst absolvierten Faszientraining (nicht Faszienbehandlung!) kann man ein Pferd nachhaltig in seine Kraft bringen.

Abschließend noch ein Zitat von Frau Dr. Kutscher aus dem Cavallo-Artikel: „Dass soviel Trageerschöpfung entsteht, hat mit uns Fachleuten zu tun. Viel zu wenige unter uns können etwa Bewegungsmuster so umkoordinieren und nachhaltig stabilisieren, dass die Tiere sich optimal bewegen.“ Also – ich kann das und ich bringe es mit Begeisterung jedem bei, der es lernen will.

Mit diesem Text verabschiede ich mich aus der Diskussion um die Trageerschöpfung und wende mich erquicklicheren Themen zu. Wie man Pferde das Tragen lehrt, beispielsweise, oder wie sich Biomechanik und Faszienwissen vermitteln lassen, durch welche Bilder man die alten, nicht zielführenden Vorstellungen ersetzen kann und und und...

Ja, meine Lieben, auch dieser Text ist wieder wenig diplomatisch und vermutlich auch wenig werbewirksam. Aber mal ernsthaft: Darum geht es auch nicht. Unsere Welt ist einfach überpädagogisiert. Trageerschöpfung will ich weder schön reden noch ist es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich niemand schlecht fühlt. Meine Aufgabe ist es, das Problem zu benennen und denen, die danach suchen, Lösungen anzubieten. Was ich tue..

Nugget des Tages

Habe eine biomechanisch einwandfrei funktionierende Vorhand mit schwingender thorakaler Faszienschlinge gefunden! Ein echtes Highlight. Wo? Gleich um die Ecke. Bei einem einäugigen alten Haflinger, der nie so etwas wie eine Ausbildung genossen und den größten Teil seines Lebens unter einem unerschrockenen Reiter ohne erzwungene Beizäumung im Gelände verbracht hat. Dieses derzeit völlig untrainierte und noch selten longierte Pferd lieferte einen absoluten Aha-Effekt. Das erste Pferd seit langem, das die Vorhand in der ersten Hälfte der Stützbeinphase von sich aus aktiv nutzt.

Der alte Knabe hat mich für heute glücklich gemacht.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Longenarbeit

Ohne weitere Erklärungen (mach dir mal selbst ein Bild) bekomme ich den fünfzehnjährigen Schwarzwälder Fuchs Jasper in die Hand gedrückt. Zum Longieren. Na denn. Kurz klarstellen, dass auf meinen Füßen kein Platz für ein Pferd ist, und ab dafür. Hm. Etwas eckig. Ah, Problem erkannt. Gleichzeitig schieben und abwenden „geht nicht“. Doch, geht. In Ruhe. Ach so. Und wenn der Kreis zu groß ist, nimmt er mich nicht wahr. Kleiner Kreis ist einfacher. Klappt. So gut, dass ich sogar unterwegs meinen beim Kappzaum richten verlorenen Handschuh wieder einsammeln kann. Auf dem Video – das ist die Sequenz mit dem Handschuh – wirkt er regelrecht eifrig.

 
Was mir vorher keiner gesagt hatte war, dass dieses Pferd „nicht longierbar“ war. Manchmal ist es besser, nicht alles zu wissen. * lach *
 
Kommentar von Nicole, Jaspers Besitzerin: Jasper zum ersten Mal an der Longe. Marens Arbeit mit ihm hat mich sehr beeindruckt. Ich arbeite mich durch ihr Buch und das ist wirkliche Kopf- und Herzarbeit. Die Theorie ist das eine, allerdings bin ich mehr ein praktischer Mensch und bin froh, dass ich Jasper in Aktion sehen konnte!

Sonntag, 19. Oktober 2014

Fortsetzung des Seminars „Lebendige Biomechanik“

Auf besonderen Wunsch zweier TeilnehmerInnen des ersten Seminars auf dem Modenbacherhof  im Oktober gibt es im November Nachschlag: Ein Wochenendseminar mit Übernachtung und Vollpension in märchenhafter Lage im östlichen Pfälzerwald. Ein Seminar für alle, die bereits an einem Biomechanik-Seminar teilgenommen haben. All die Fragen, die in der Folge bei der täglichen Arbeit in der eigenen Praxis aufkommen, werden hier behandelt. Zudem – auf besonderen Wunsch – werden sowohl die Arbeit mit dem Herzfeld als auch die Körperarbeit mit neuen Push-Hands-Übungen ihren Platz haben.
     Auch das gegenseitige Longieren, mit dem ich in den letzten Seminaren angefangen habe, bietet ein weites Lernfeld bezüglich Gegenwärtigkeit, Durchlässigkeit, Widerstandsfreiheit, Gelassenheit und Stabiliät. Auch das Wesen des Faszienkörpers lässt sich tiefergehend erfahren, wenn das Basiswissen bereits vorhanden ist.

Die Vereinspferde von „Tiere erleben e.V.“ werden unser Sehen und unsere Wahrnehmung schulen, eigene Pferde sind ebenfalls willkommen.

22.-23.11.2014, Modenbacherhof, 76835 Burrweiler, 160€ plus 10€ Mittagessen (vegetarisch/vegan) und Kachelofen (oder ca. 45€ pro Tag ÜVP) und ggf. Pferdeunterbringung. Beginn Samstag 10.00, Ende Sonntag ca. 16.00.
 
Foto: Sven Cramer, Fotolia

Freitag, 17. Oktober 2014

Fortbildung des Falada e.V.

(c) Victoria Makarova
Am 25.10.2014 findet auf dem Ganerbhof in Hassloch eine Mitgliederfortbildung statt, bei der ich zum Thema „Reitweisen aus dem Blickwinkel der Biomechanik“ referieren werde. Biomechanik ist unbestechlich und reitweisenunabhängig, das menschliche Denken jedoch nicht. Von außen sehen wir Equipment, Techniken und bestimmte Lektionen. Wer eine Reitweise betreibt, hat Vorbilder und Ideale und eine reitweisenspezifische Vorstellung von „des g´hert so“.

Arbeitsziel ist es, das weniger Offensichtliche unter der Oberfläche ergründen und zu lernen, reitweisenübergreifend zu denken. Warum? Weil die aktiven Falada-Mitglieder in der Lage sein sollten, biomechanische Zusammenhänge unabhängig von Equipment und Pferderasse zu erkennen und (irgendwann dann...) auch anderen erklären zu können.
 
Veranstaltungsort: Ganerbhof in Hassloch (gegenüber Holiday-Park), 10.00-16.00, Kostenbeitrag 40€, für Nichtmitglieder 70€. Verbindliche Anmeldungen per Email an Christof Roerig-Weisbrod, roerigweisbrod@online.de

Dienstag, 14. Oktober 2014

Nachlese zum Seminar "Lebendige Biomechanik" am Modenbacherhof am 11.-12.10.2014

 "Es war wirklich einmalig und so hilf- und lehrreich, dass ich voller Elan nicht nur mit Jackson, sondern auch Shetty Polly die neue Arbeit angefangen habe! Kugelige Eleganz bei Polly und vorsichtige Freude bei Jackson sind das Resultat des ersten Tages. Dank Frau von Haxthausen und Dir war das eine Mischung aus "die Mädels vom Immenhof" und dem Gefühl, endlich etwas verstanden und gelernt zu haben, und das umfassend! Im November wäre ich auf jeden Fall wieder dabei!"   (Gabi Wieke)
 
Gaby Völker-Schannés FotoMir hat das Seminar ebenfalls richtig gut gefallen. Erstmals hatte ich SeminarteilnehmerInnen, die am Hof übernachtet haben und das volle Programm mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen genießen durften - Mittag- und Abendessen gab es für uns alle.
Die Pferde des Vereins Tiere erleben e.V. haben die Gelegenheit einer Extra-Trainingseinheit gut genutzt und die Biomechanik-Bilder in den Köpfen der Teilnehmerinnen in Bewegung gebracht. Da hier eine enorm aufnahmefähige und wissbegierige Truppe zusammen war, durfte ich auch mal alles geben.  ;))
Auf die Berichte über die Entwicklung der Arbeit bei den Seminarteilnehmerinnen bin ich sehr gespannt, der obige Bericht ist ja bereits vielversprechend. Das angedachte November-Seminar wird sich unter anderem mit den in der täglichen Arbeit auftauchenden Fragen befassen. Ende November kann dann auch der Kachelofen mal zeigen, was er kann.
 

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Gebäudefehler?

Um ehrlich zu sein: ich mag diesen Begriff nicht. Er legt Pferde darauf fest, so zu sein, wie sie gerade sind, er dient als Ausrede für fehlendes Training, falsche Ausbildung, unpassende Vorstellungen und reiterliches Unvermögen. Er zementiert einen Status Quo, ohne Entwicklungschancen aufzuzeigen.

Der Begriff Gebäude bezieht sich vornehmlich auf die knöcherne Struktur, und die ist, was die Größenverhältnisse der Knochen und die Gelenkwinkel angeht, bei allen Pferden nahezu gleich. Dazu kommt die Erbveranlagung bezüglich Größe und Muskulatur.
 
(c) Maren Diehl
Natürlich sieht ein Araber anders aus als ein Friese. Gut trainiert sehen jedoch beide aus wie ein gut trainiertes Pferd mit einem guten Gebäude. Habe ich da gerade verschiedene Ja, aber...!s gehört? Dann bleibe ich einfach bei einer beliebigen Pferderasse. Sucht euch eine aus.

Nehmen wir einfach fünf verschiedene Pferde: Nummer 1 ist ein vierjähriger Hengst, auf einer großen Jungpferdekoppel mit anspruchsvollem Gelände aufgewachsen. Nummer 2, im gleichen Alter, jedoch früh gelegt, ist aus Privatzucht und bei Mama auf einer ebenen Wiese in doppelter Reitplatzgröße groß geworden. Nummer 3 hat vor zwei Jahren sechsjährig eine schwere Hufrehe durchgemacht. Nummer 4, zwölf Jahre alt, wird vorwiegend in versammelnden Lektionen geritten, Nummer 5 hat eine Pleasurehorse-Ausbildung.

Selbst wenn diese Pferde Klone wären, würden sie sich im „Gebäude“ sehr offensichtlich unterscheiden. Da ein lebendiger Körper immer ein Bild seiner eigenen Geschichte wiedergibt, kommen verschiedene Signaturen von Lebensereignissen und -phasen dazu. Zu schwere Reiter, zu frühe Belastung, Unfälle, Krankheiten, zu üppige oder zu magere Ernährung: All das hinterlässt Spuren. Dazu kommt die Wirkung der Psyche auf den Körper. Hat das Pferd genügend Anregung und Gesellschaft, hat es seinen Stolz behalten? Kann es seine Umgebung überblicken? Und mit welchen Menschen hat es zu tun?

Das Exterieur eines Pferdes spiegelt nicht nur seine Abstammung, sondern vor allem seine persönliche Geschichte wieder. Mit all ihren Aspekten.

Wenn ich mit einem Pferd anfange zu arbeiten, schreiben wir gemeinsam ein neues Kapitel ins Lebensbuch. Dieses Kapitel schließt an die vorangegangenen Kapitel an und baut auf ihnen auf. Ich lese die vorherigen Kapitel so gut ich es vermag, aber sie sind (hoffentlich) abgeschlossen.

Ein neues Kapitel können wir nur schreiben, wenn wir eine Idee haben, wohin der Weg führen soll, da der Ist-Zustand das Ergebnis der abgeschlossenen Kapitel ist. Der Ist-Zustand ist ein Punkt auf der Zeitleiste, von dem aus ich mich mit dem Pferd in die Veränderung bewege.

Am schnellsten ändern sich die Lebens- und Arbeitseinstellung. Ein wichtiger Schritt. Dann ändert sich das Verständnis des Pferds für seinen Körper und dessen Möglichkeiten. Und dann, im Laufe der Monate und Jahre, ändert sich das Exterieur. Stressmuskulatur verschwindet, Kraft und Schwung entwickeln sich – gemeinsam mit einer glatten, ganzheitlichen Muskulatur und der Erneuerung des Faszienkörpers. Die Bewegungen werden leichter und sicherer, der falsche Knick verschwindet zusammen mit dem Knubbel auf der Lendenwirbelsäule.

Das ganze Pferd verändert sich und damit auch das Gebäude. Die Fehler waren nicht dem Skelett anzulasten oder dem Erbgut. Ein Pferd kann sich genauso ändern wie ein Mensch. Vielleicht sogar einfacher, da das Pferd durch die Gewohnheiten des Menschen geworden ist, wie es ist und nur zum geringen Teil durch seine eigenen Gewohnheiten. Jedes Pferd, dessen Lebens- und Bewegungsfreude sich noch wecken lässt, kann sich verändern.

Samstag, 4. Oktober 2014

Mitfahrgelegenheit

Zum Seminar "Lebendige Biomechanik" am 11.-12.10.2014 am Modenbacherhof gibt es eine Mitfahrgelegenheit aus Schweinfurth/Würzburg über Heilbronn. Abfahrt Samstag früh.
Und es ist ein Platz frei geworden, auch für Teilnahme mit eigenem Pferd.

Montag, 22. September 2014

Seminar "Lebendige Biomechanik" am 11.-12.10.2014

Biomechanik zum Leben erwecken - das ist das Ziel dieses Seminars. Da es sich um ein Wochenendseminar handelt, sind die Seminarinhalte zu Faszienfunktion und Problemlösungskompetenz integriert, es handelt sich insgesamt also um ein sehr umfangreiches Paket.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Wissen darum, wie die Dinge sind, die Herangehensweise verändert. In besonders hohem Maße trifft das auf die Arbeit mit Pferden zu. Wer übt, Knöpfe zu drücken, ohne das Ganze zu kennen und zu verstehen, wird immer wieder scheitern auf Pferden, bei denen diese Knöpfe nicht eingebaut sind. Mein Bestreben ist es, Reiter und Pferde von Knöpfen unabhängig zu machen und Verstehen, Bewegungslernen, Koordination und Kommunikation zu ermöglichen.

An diesem Wochenende gibt es ausreichend Zeit, sich in die Biomechanik zu vertiefen, die biomechanischen Kenntnisse mit dem Wissen über die Faszien zu verknüpfen und Bewegungslernen zu üben und zu verstehen. Sobald der Körper selbst-bewusst wird, entwickelt er ein eigenes Situationsbewusstsein und daraus auch Problemlösungskompetenz.

 
Es gibt eine Mitfahrgelegenheit von süd-westlich von München!

11.-12.10.2014 "Lebendige Biomechanik", inklusive Faszientraining und Problemlösungskompetenz am Modenbacherhof, 76835 Ramberg. Gastpferde willkommen (Wanderreitstation). 160€ plus 10€/Tag für Mittagessen und Kachelofen, ggf. Pferdeunterbringung.
Das Seminar kann sowohl mit eigenen Pferden als auch ohne gebucht werden.


 
Da mir ein hübsches Bild für diesen Post fehlt, hänge ich ein YouTube-Video mit einem Film über das Training der US(?)-Cavalry 1920 dran. Motorische Kompetenz und so...
Habe mir sagen lassen, man schaut das besser ohne Ton (Propagandafilm). Mein PC schweigt ohnehin.
 
 
Comment from Stev Reinhold on YouTube:
The horses are healthy and strong, the riders stay out of their way and especially their backs and mouths. The riders are agile, athletic and light, the horses have been gymnasticized every day to make sure they are athletically, physically, mentally able to do this military work.
In comparison, look at today's overweight, unfit riders, hanging in the horse's mouth, pounding on their equine couch potato's back. Today's average recreational horse is the one you guys should pity, not these highly skilled equine athletes that were treated with care and respect.
 

Samstag, 20. September 2014

E-mails

Bin nicht sicher, ob derzeit alle Mails ordnungsgemäß ankommen. Wer nicht innerhalb 48 Stunden eine Antwort erhält - bitte nochmal versuchen oder anrufen.

Montag, 15. September 2014

28.9.2014: Lebendige Biomechanik und Problemlösungskompetenz

AUSGEBUCHT!
In unerwarteten Bewegungssituationen benötigt das Pferd vor allem eine gut entwickelte Körperintelligenz, um - auch in Sinne seines Reiters - die Kontrolle über die eigenen Reaktionen zu behalten. Diese Selbstkontrolle - oder Impulskontrolle - entwickelt sich gemeinsam mit den motorischen Fähigkeiten und der ganzheitlichen, funktionalen Bewegung und ist die Grundlage für stressfreie Problemlösung. Beim Pferd ist es ähnlich wie beim Menschen: Um motorische Probleme mit dem Verstand zu lösen, braucht es Zeit. Diese Zeit fehlt bei schnellerer Bewegung und in Überraschungsmomenten. Hier versagt der Verstand, und der Faszienkörper muss die Führung übernehmen. Biomechanik bietet in diesem Sinne nicht dem Reiter die Hebel, um das Pferd zu kontrollieren. Das Wissen um die biomechanischen Gesetze ermöglicht es, gleichzeitig dem Pferd Raum zu geben für seine Aktionen und sowohl als Reiter als auch als Longenführer an der Bewegung dranzubleiben. Für uns Menschen liegt die Herausforderung darin, unseren Körper als eine Erweiterung des Pferdekörpers fühlen zu können, damit das Pferd uns auch als solche wahr nimmt. Und nicht als Raubtiere, gefährliche Irre oder Ballast.
AUSGEBUCHT!
Das Seminar findet statt am 28.9.2014 bei Familie Decker in 76831 Mühlhofen, Waldstraße 32. 88€, Beitrag für Ofen und Flammkuchen 5€.

Das Seminar Trageerschöpfung am 3.10. fällt aus!

Freitag, 22. August 2014

Seelenpferde

 
 
Die Kunst besteht darin, sie groß zu bekommen, ohne ihnen die Flügel zu brechen.
 
 
(c) Maren Diehl

Mittwoch, 20. August 2014

Hufrehe durch Verzehr von Schwarzem Nachtschatten?

Vermutlich kommt dieser Post für die meisten Hufrehefälle zu spät, aber vielleicht hilft es ja für nächstes Jahr. In diesem Jahr ist der schwarze Nachtschatten bereits Ende Juli schier explodiert und trägt, wenn ich das richtig erinnere, seit Anfang August Beeren. In Blättern und unreifen Früchten befinden sich stark giftige Steroid-Alkaloide, und manche Pferde fressen dieses Gewächs mit Leidenschaft. Zehn unreife Beeren können für einen Menschen tödlich sein! Im letzten Jahr ist eine Stute daran verendet.

Mir fiel vor zwei Wochen eine Stute, deren Besitzer in Urlaub waren, durch Dünnpfiff auf. Die anderen Mitglieder der Haltergemeinschaft konnten sich das nicht erklären - kein Weidegang, Heu wie immer. Mir ließ die Sache keine Ruhe, ich habe mich auf die Suche begeben und fand außerhalb der Reichweite der Pferde hüfthoch wachsenden schwarzen Nachtschatten. Innerhalb der Reichweite fast nur noch Strünke... Also habe ich die Ärmel hoch gekrempelt und mal eine halbe Stunde gejätet.

Tödliche Glaubenssätze in diesem Zusammenhang sind:
  • Wenn die genug anderes zu fressen haben, gehen die da nicht dran.
  • Meiner frisst das nicht.
  • Pferde wissen, was giftig ist.
  •  Ist ja nicht mein Pferd. 
Vom schwarzen Nachtschatten gibt es unterschiedliche "Sippen", die sehr unterschiedlich giftig, manchmal sogar giftfrei sind. Ein Pferd, das aus einer Region mit ungiftigem Nachtschatten kommt, hat keinerlei negative Erfahrungen oder Erberfahrungen mit dem schwarzen Nachtschatten!

© Abbildung Eva Pier, Münster
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Das tückische an den Vergiftungserscheinungen ist, dass man sie meistens zu spät bemerkt. Bis die Hufrehe - als Entgiftungsreaktion - auftritt, sind die Giftpflanzen aufgefressen. Gerade der Nachtschatten kommt so plötzlich, wächst unglaublich schnell - und im Boden sind tausende von Samen, die ihn in jedem Jahr wieder erscheinen lassen. Ausreißen hilft nur für den Moment, es heißt Aufpassen. Immer.

Zudem kommen die Rehefälle zeitgleich mit dem beschleunigten Wachstum des Grases auf den Weiden und mit der Fütterung des ersten Heus. Beide Tatsachen lenken erfolgreich von einjährigen Giftpflanzen ab. Natürlich gibt es noch mehr einjährige Giftpflanzen, es ist sicher gut, zu jeder Jahreszeit genau hinzuschauen, was auf den Wiesen, unter den Paddockzäunen und an den Anbindeplätzen so wächst.

Foto mit freundlicher Genehmigung von www.die-honigmacher.de

Montag, 18. August 2014

Ellbogen-Arthrose bei Pferden - Forschungsergebnisse


Endlich, es ist vollbracht. Die Übersetzung des Originalartikels von Jane Clothier über die Arbeit von Sharon May-Davis, Revealed - The Common Equine Arthritis you won´t read about in Textbooks, ist fertig. Ein wichtiges Thema für alle, die sich mit Biomechanik, Training und Behandlung jeglicher Art befassen.

http://die-pferde-sind-nicht-das-problem.blogspot.de/p/common-equine-arthritis.html

Freitag, 15. August 2014

Fesselringbandsyndrom - endlich Bilder!

Ja, jetzt habe ich es mir endlich gegeben: Hier sind die Grafiken, die erklären, wie das Fesselringbandsyndrom entsteht, wie ein trageerschöpftes Pferd versucht, zu tragen und wie im Gegensatz dazu gesunde und aktive Vordergliedmaße arbeiten. Ich habe mich heute morgen sehr über die beiden jungen Araberstuten gefreut, die mir völlig zwanglos gezeigt haben, dass bei einem jungen, gesunden und fröhlichen Pferd die Biomechanik genau so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Also so ungefähr so wie auf dem rechten Bild. Der Text dazu findet sich in den Posts zur Ellbogen-Arthritis und zur Biomechanik der Piaffe weiter unten auf der Seite. Man beachte die Unterschiede in Buggelenks- und Ellbogenwinkeln und den Fesselgelenken. In der rechten Grafik obliegt die Federung des Körpergewichtes der thorakalen Muskel- und Faszienschlinge.
 
Das zweite Bild zeigt den ungefähren Bewegungsablauf bei untätiger Rumpfaufhängung. Alle Gelenke geben unter der Last nach und schaffen es nicht mehr, sich wieder zu strecken. Gleichzeitig versucht das Pferd, seinen Körper mit den Vorderbeinen zu ziehen, anstatt mit der Hinterhand zu schieben. Häufig ist im Trab der diagonale Hinterfuß bereits in der Luft, während das Vorderbein noch vom Gewicht von Reiter und Pferd in den Boden gedrückt wird. Dieses Bild zeigt sich bei Turnierpferden und Freizeitpferden, bei FN-Pferden, bei akademisch gebildeten Pferden, bei mit natural Horsemenship geschulten Pferden, bei Wanderreitpferden, bei legèren Pferden, bei Zuchtpferden, bei klassisch dressierten und bei gefahrenen Pferden, bei nahezu allen gerittenen und gefahrenen Pferden in unterschiedlicher Ausprägung. Laut Sharon May-Davis nicht nur nahezu bei allen, sondern bei 100%.

Hier finden sich auch die Ursachen für viele weitere entzündliche und degenerative Erkrankungen des Bewegungsapparates und für Lahmheiten ohne Befund (Zügellahmheit).

(c) Text und Bild Maren Diehl

Mittwoch, 13. August 2014

Email

Liebe Maren,

Gestern habe ich wieder an der Bewegungskompetenz meiner Pferde gearbeitet. Die beiden Trakehner haben bislang beim Longieren immer das Fesselgelenk des äußeren Hinterbeins und damit auch den Huf nach innen gedreht, ist auf einmal weg, habe ich aber erst gestern gemerkt.
Sie fußen jetzt gerade auf!
Äh,was ist da passiert?
Ist das so einfach zu beheben?
Kannst Du mir das biomechanisch erklären?

Bin mal wieder entzückt!!
Liebe Grüße
S.


Der Pferdekörper muss mit der Energie irgendwo hin - und wenn er sie vorne nicht gebrauchen kann, macht er sie hinten "weg". In deinem Fall, indem er sie in den Boden dreht. Wenn das Pferd lernt, seine Schubkraft zu nutzen, stört diese es vorne nicht mehr, im Gegenteil: Jetzt unterstützt diese Kraft die Vorhand. Der Grund, überschüssige Energie irgendwo zu entsorgen, fällt weg, die Bewegung wird effizient und "gerade".

Montag, 4. August 2014

Bewegungsanalyse zur Ellbogenarthrose

... Bezug nehmend auf den Post vom 2.8.2014:

„In truth, we are still in the dark. Seeing it is one thing, analyzing it and providing a preventative program is something totally different.“

"In Wahrheit tappen wir noch im Dunkeln. Etwas zu sehen, ist das Eine, es zu analysieren und ein Präventionsprogramm zu erarbeiten, ist etwas völlig anderes."
Sharon May-Davis, Australien

Am anderen Ende der Welt habe ich mich von einer anderen Seite an das Problem herangearbeitet, indem ich mich praktisch mit "Lebendiger Biomechanik" befasst und erkannt habe, dass kaum ein Pferd physiologisch sinnvoll trägt. Daher war bis Mitte letzten Jahres bei mir noch die Trageerschöpfung das große Thema. Nahezu alle mir bekannten Pferde - darunter auch einige Berühmtheiten - zeigen Symptome der Trageerschöpfung in unterschiedlichster Ausprägung. Eine Bewegungsauffälligkeit, die alle Pferde zeigen, ist für die meisten Menschen leider normal (Millionen Fliegen können sich nicht irren). Daher bin ich zwar nicht froh über die Ergebnisse von Sharon May-Davis´ Forschungsarbeit, die finde ich eher erschreckend. Aber ich bin froh, dass die gefundenen offensichtlichen pathologischen Veränderungen in den Ellbogen gearbeiteter Pferde meine Wahrnehmung bestätigen (... man kommt sich ja schon irgendwann blöd vor, so allein auf weiter Flur ...).

Die meisten Pferde werden nur so lange longiert bis sie gefügig genug sind, einen Reiter auf ihrem Rücken zu dulden (was bis zu der Behauptung führt, man müsse ein Pferd reiten, bevor es zuviel Kraft hat, sich zu wehren). Die Pferde erhalten weder die Zeit noch die Möglichkeit zu lernen, ihr eigenes Gewicht sinnvoll zu tragen, vom zusätzlichen Gewicht eines mehr oder weniger ausbalancierten Hilfengebers ganz zu schweigen. Auch in den verschiedenen Bodenarbeitskonzepten lernen die Pferde meistens nur, eine Form einzunehmen und ihre Schubkraft "wegzumachen" anstatt sie durch ganzheitliches Bewegungstraining nutzen zu lernen. Durch Überlastung von Anfang an können die Pferde einen Reiter nur tragen, indem sie die Brust- und Rumpfmuskulatur anspannen und festhalten. Dadurch verschieben sich die Arbeitsphasen innerhalb der Stützbeinphasen.

Um schnell auf den Punkt zu kommen, sei hier kurz erklärt, wie das Pferd auf das Gewicht reagieren sollte: Die Vorderbeine, inklusive Schulterblatt und Rumpfhebern, federn den Rumpf bereits in der ersten Hälfte der Stützbeinphase wieder vom Boden weg. Die thorakale Muskel- und Faszienschlinge ist ein sehr belastbares Gewebe, das stärker, dicker und dehnbarer wird, wenn es richtig trainiert wird. Und das bedeutet, dass das Gewicht sofort nach dem Auffußen nach rückwärts-oben geschickt wird, noch bevor das Vorderbein in die Senkrechte kommt. In dieser exzentrischen Bewegung arbeiten alle Gelenke der Vorhand in idealen Winkeln, die eine verschleißfreie Bewegung zulassen.
Das optimal arbeitende Vorderbein wartet auf den Schub der Hinterhand, die in der ersten Hälfte der Stützbeinphase durch das Gewicht leicht gebeugt wird - was die faszialen Strukturen auflädt. In der zweiten Hälfte der Stützbeinphase darf sich die Faszie wieder entladen und schiebt dadurch das Gewicht nach vorne. Das tut der Vorhand nichts! Je besser trainiert die Vorhand ist, um so stärker muss die Hinterhand bergauf arbeiten, selbst wenn der Weg bergab führt. Das wiederum trainiert die Hinterhand optimal, die so die Arbeit machen kann, für die sie gebaut ist, anstatt sich unter eine zusammengesackte Vorhand zu schieben, um diese zu entlasten.

Ein sehr interessanter Aspekt ist, dass die traditionellen Hufwinkel - 45-50° für die Vorderhufe und 50-55° für die Hinterhufe - genau so auch Sinn machen, wenn die Arbeitsphasen innerhalb der Stützbeinphasen stattfinden, wie oben beschrieben. Kann das Pferd so nicht arbeiten, versucht die Vorhand das Gewicht in der zweiten Hälfte der Stützbeinphase zu ziehen, während die Hinterhand in der ersten Hälfte der Stützbeinphase bremst. Dadurch werden alle Gelenke ungünstig belastet, sowohl die der Vorhand als auch die der Hinterhand (Buggelenk, Ellbogen, Fessel - auch das Fesselringbandsyndrom entsteht so). Für solche Pferde mag es vorübergehend eine Erleichterung sein, wenn die Vorderhufe steiler gestellt werden, aber diese Art der Hufbearbeitung führt dazu, dass das Problem sich weiter manifestiert. Übrigens gibt es sehr, sehr viele Pferde, bei denen die Hinterhufe flacher sind als die Vorderhufe. Das liegt nicht an den Hufpflegern und Hufschmieden, denn die beschlagen oder bearbeiten so, dass der Huf plan fußt. Wie er fußt, ist eine Folge des Trainings.
 
Um ein Pferd in seine Kraft zu bringen braucht es Zeit, vor allem auch Trainingszeit ohne Reiter, eine gute Kenntnis von Biomechanik in Bewegung und nicht zuletzt gute Nerven, denn wir alle neigen zum bremsen - nennen es allerdings Kontrolle oder Versammlung.
 
Ganz ehrlich: Mir gefällt mein englischer Text besser!
 

Samstag, 2. August 2014

Arthrose im Ellbogen bei allen gerittenen Pferden

Manchmal erkennt eine Person von außerhalb eines Berufsstandes etwas, das bis dahin über einen langen Zeitraum übersehen, nicht zur Kenntnis genommen oder fehlinterpretiert wurde. Aus einer anderen Richtung kommend, sieht sie plötzlich das Offensichtliche, das bis dahin übersehen wurde, einfach, weil niemand danach geschaut hat.“

Jane, thehorsesback.com/equine-arthritis/, Australien

In diesem Fall geht es um Sharon May-Davis, die seit über 20 Jahren eingeschläferte Pferde seziert, ursprünglich aus persönlichem Interesse und seit 14 Jahren professionell, um herauszufinden und zu zeigen, welche gesundheitlichen Schäden durch Zucht, Krankheit, Verletzungen oder Arbeit entstehen können (ca. 300 Pferde). Sie ist Expertin für Biomechanik, hält an Universitäten Lesungen über Pferdeanatomie und Therapien und ist eine praktische Anatomin. Sie ist weder Tierärztin noch hat sie einen Doktortitel, aber sie versorgt die Welt mit einzigartigen Daten.

Mit ihren Ergebnissen zu „Common equine arthrits“ im Ellbogengelenk habe ich überraschend eine Bestätigung bekommen für das, was ich seit einigen Jahren zu sehen glaube, aber nicht beweisen kann: Trageerschöpfung ist ein riesiges, weltweites Problem, und es gibt kaum Pferde, die nicht betroffen sind. Es gibt kaum ein Pferd, das es gelernt hat, seine Vorhand physiologisch sinnvoll einzusetzen.

Ich fasse zusammen, da ich die medizinische Terminologie nicht korrekt übersetzen kann – das, was ich verstehe, ist völlig ausreichend als Anreiz, sich ein paar Gedanken zu machen:

Das Problem der pathologischen Veränderungen im Ellbogen (Verdickung der Gelenkflüssigkeit, Blut im Gelenk, Knorpelabnutzung teilweise bis zu Knochenschäden) tritt bei allen Rassen, Typen, Größen Nutzungsweisen und Altersklassen in unterschiedlicher Ausprägung auf. Bei allen gerittenen und/oder gefahrenen Pferden. Bislang zeigen 100% der gerittenen und gefahrenen Pferde diesen Befund. Ungearbeitete Pferde zeigen diese Veränderungen nicht!

Das ist alles sehr seltsam, denn Arthrose im Ellbogen ist angeblich selten bei Pferden...

Die untersuchten Pferde wurden übrigens nicht in kausalem Zusammenhang mit diesem Befund eingeschläfert. Viele Pferde zeigen Unregelmäßigkeiten im Gangbild, vor allem bergab, eine Art Doppelbewegung im Schulter/Ellbogenbereich, die m. E. durch ungünstige Lastwechselreaktionen in verschobenen Bewegungsabläufen und als Symptom von Trageerschöpfung auftritt. Das Phänomen ist auf der Seite mit dem steileren Huf ausgeprägter.

Jede/r der/die des Englischen mächtig ist, sollte sich den Artikel im Original durchlesen und die Bilder und Videos ansehen: www.thehorsesback.com/equine-arthritis/

In truth, we are still in the dark. Seeing is one thing, analyzing and providing a preventative programm is something totally different.“
Sharon May-Davis

Google-Translator

... is not a very useful tool to translate these posts. I tried it myself - when you are lucky, you´ll get a nice story, but never the original content!
;)))  
Write a comment in which posts you are interested, and I´ll do the job!

Freitag, 1. August 2014

Common Equine Arthritis - Motion Analysis

„In truth, we are still in the dark. Seeing it is one thing, analyzing it and providing a preventative program is something totally different.“
Sharon May-Davis

This is where my job begins, coming from another side of the problem. To my opinion as a horse trainer, nearly every horse I know shows more or less symptoms of the load bearing syndrome (Trageerschöpfung). Unfortunately, people see a symptom, that is shown by every ridden horse, as normal. So I´m very glad about Sharons documented informations concerning common equine arthritis, which show an obvious pathologic change.

My analysis is, that horses change the working phases within the stance phases of fore- and hind leg, caused by work overload from the very beginning. Usually, a horse is longed until it accepts a rider on it´s back. That is not enough time for a horse to learn how to move reasonably under it´s own weight, not to talk about the additional weight of a more or less balanced rider.
To make it short, I´ll explain, how the horse should answer the weight: The foreleg has to act like a coil spring, rebounding the thorax during the first half of the stance phase. It helps to look on the thoracal muscle- and fascia-sling as a very strong, weight-answering structure which gets stronger by work. But only by the work it is made for: to throw back the weight in the very first moment of ground contact, which means backward-upwards, because the leg has not yet reached the vertical position. In this excentric movement, the joints of the forehand do all work in angles that „make them strong“. The forehoof of a horse that acts in this way shows the form, the old books about hoof care demand: it´s angle is narrower (or flatter?) than the one of the hindhoof, because it works in another part of the stance phase. If the horse does not work like this, it tries to pull the weight forward with the foreleg in the second half of the stance phase, in which all the joints are in the most awkward angle, not alone the elbow. To a horse like this, a steeper hoof might be a relief, but this way of hoofcare fixes the problem instead of solving it.

Back to the proper (excentric) working foreleg. It waits for the power of the proper working hindleg, which loads the fascia tissue during the first half of the stance phase ( while the forehand makes the distance to the ground). The fascia is able to store kinetic energy, what it does until it releases the energy in the second half of the stance phase in order to showe the weight forward. This does not harm the forehand! Because a strong forehand is able to make the hind working uphill, even if the way leads downhill. (Youtube, Cavalry 1920, upper video...)

Additionally, this strengthens the hindquarters, letting them do the work they are constructed for, instead of folding themselves beneath a weak forehand in order to relieve it.
There are three things you need to work a horse to it´s strength: Far more time than especially the professionals can afford, knowledge of biomechanics in motion and good nerves, because we all brake - and call it control or collection...
 

Sonntag, 27. Juli 2014

Nachlese Privatseminar Mai 2014

Liebe Maren,

Jetzt will ich endlich mal was von mir hören lassen.
Du erinnerst Dich? (...), drei Pferde, nämlich L, C und S...

Also, zunächst zu C (Lusitanowallach):
Er nimmt Deine Vorschläge, die Schubkraft zu trainieren, mit Begeisterung an!
Ich habe mittlerweile ein sehr lockeres Pferd, welches gern und losgelassen an der Longe trabt und galoppiert. Unterm Reiter fällt er nicht mehr auf die rechte Schulter, was ich nach jahrelangem Schulterherein nie hingekriegt habe, unglaublich.
Toll, was Du mir für Impulse vermittelt hast.

L (Trakehnerwallach) wird endlich länger und schießt wie eine Rakete im Trab über Cavalettis!

S (Trakehnerstute) läuft ebenfalls in vorbildlicher Haltung und mit glücklichem Gesichtsausdruck an der Longe. Anfangs knackste sie im linken Sprunggelenk, dies hat sich mittlerweile gelegt. Das wichtigste bei ihr ist wirklich, daß sie es wieder schafft, den Rücken nicht durchhängen zu lassen. Du erinnerst Dich, sie ist 25 Jahre jung, beim Reiten ist es schwierig, deshalb longiere ich sie überwiegend.
Meinst Du, daß ich es in ihrem Alter noch schaffe, Tragemuskulatur aufzubauen?
Was könnte ich noch tun?

Liebe Maren,

Du hast mir in meinem Verständnis über die Biomechanik des Pferdes wirklich unglaublich gut weitergeholfen, danke und weiter so und

Ganz liebe Grüße
S




 

Foto: Petra Eckerl

Donnerstag, 24. Juli 2014

Arbeitsschwerpunkte

Es besteht Klärungsbedarf: Ich behaupte nicht, Pferde bis zur perfekten Piaffe ausbilden zu wollen und/oder zu können. Mit der Grundausbildung von Pferd und ReiterIn mit den im Header beschriebenen Schwerpunkten habe ich mehr als genug zu tun. Jedoch bin ich mir sicher, die Biomechanik soweit verstanden zu haben, dass ich erkennen und vermitteln kann, welche Denkfehler den jeweligen technikorientierten Reitweisen und Behandlungssystemen zugrunde liegen. Je mehr ich verstehe - und das hört nicht auf, das geht immer weiter - um so erschreckender finde ich das, was allerorten unterrichtet und gelehrt wird. Deshalb versuche ich immer wieder, gerne auch mit ständig neuen Formulierungen und Beispielen, das Gefühl für lebendige Biomechanik zu verbreiten. Ich selbst habe nicht viel davon, außer, dass ich mich unbeliebt mache. Aber manchmal freue ich mich wie ein Schneekönig - oder wie ein Doppelhopskäse? - wenn ein Mensch und sein Pferd etwas verstanden und mit Herz und Hirn und Körper eine Funktion erobert haben.

Dienstag, 22. Juli 2014

Biomechanics and Piaffe

Auf besonderen Wunsch und zu Übungszwecken nochmal auf Englisch. Bin dankbar für Korrekturen.
At special request I tried it in English. Thanks for correcting!

… why any Piaffe with a back standing foreleg is not „nearly correct“ but a sign of missing knowledge and understanding of basic biomechanics – as well as a piaffe showing a jumping hind or defered hindlegs. What made me write this text was a remark in a forum which said that, because a good piaffe is so difficult to reach, one should be glad about one „like this“ (meant one with defered frontleg). Unfortunately, the way from a nearly correct piaffe like that to a correct piaffe is the longest you can imagine. It leads back to basic training for many years to understand biomechanics and to resolve old patterns of movement and reaction.

Lets have a look at some facts:

Symptoms of physical fatuige syndrome (Trageerschöpfung): breastbone in advanced position, lumbar flexion, postponed foreleg etc.

Incorrect piaffe: breastbone in advanced position, lumbar flexion, postponed foreleg etc.

Biomechanic funktion of the foreleg, including bladebone and thoracic fascial sling: Hold distance to the ground directing pressure against the weight of the rider – not against the hind!

Biomechanic function of the hind: Shove. Shove the trunk forward - so it can´t slip backwards, leaving it´s place in the thoracic fascia sling. Shove til the foreleg is in vertical position to make sure, the trunk does not come back ...

There is a nice exercise for all motorcyclists among you: Look for a kerb of medium height, ride up in an angle of 90 degrees and stop with contact to the kerb. Then open up and place the frontwheel right on the edge of the kerb, without using the brake, using gas and cluth only. Keep your balance. Don´t roll back, don´t pass it. Thats controled power. Mind, that - depending on the height of the kerb, the length of your legs and the size of your bike - your feet can´t reach the ground...

Of course you could use the brake, but thats not the lecture. If the cluth smells funny, something´s wrong as well.

What happens in the piaffe of the „Reitkünstler“? Active lumbar flexion (spurs, whip, curb) instead of „Hankenbeugung“. That eliminates the propulsive force of the hind. That´s why the foreleg has to pull the trunk forward instead of lifting it and that causes the postponed position of the foreleg. Thats why the breastbone comes in sight (what it does not in a balanced horse!). The horse does not use the cinetic energy storing abilities of the hinds fascia. It just lifts its feet.

Transfered to the motor cycle exercise: Deflate the back tire, lift the frontwheel and push the kerb underneath. Compared to this, using the brake would be an elegant solution...

The FN-riders piaffe shows (sometimes) a vertical foreleg, but the hind stays stiff and postponed. Thats just another way to destroy the power of the hind, reducing it to a jipping appendix pretending a piaffe. In this case the motor has been throtteled to a minimum, that allows to reach the edge of the kerb, but you can´t expect further performance.

All these piaffes have several characteristics in common: They break the power of the hind instead of storing it for further action, what breaks the power of the forehand. Without a propulsive force from the hind, the thoracic fascia cant´t swing and the forehand is no longer able to lift the trunk.

A true piaffe shows the perfect impulse control of the horse by the horse, the trunk swings upward and the horse asks with every step „What´s next?“ Each moment it could let its weight fall into the „Hanken“ in order to use the arising fascia energy for a galopp or a capriole. The horse is collecting itself for its next job. This impulse control, connected with „Hankenbiegung“, needs many years to develop. The term „Hankenbiegung“ or „-beugung“ refers to deflection (?) of the main joints of the hind under pressure, not to the lumbar flexion or nicely lifted feet. Above all, you cannot reach that big goal by drilling the horse into the right form.

To my opinion, a perfect piaffe might come within reach by training bodyintelligence, motoric competence and a general problem solving ability, always keeping the biomecanical principles in mind. But why should we spoil our time with our horses by drilling a form instead of having fun in playing with funktions? Should one of the horses I work with should ask me for a piaffe one day – all right, on that day we start practising.

Samstag, 19. Juli 2014

Biomechanik und Piaffe ...

... sollte der Titel dieses Posts heißen. Der Text war auch schon fertig, den hänge ich gleich hinten dran. Zuvor jedoch noch eine Bemerkung: Nach "Trageerschöpfung" ist der häufigste zu diesem Blog führende Suchbegriff  "Fesselringbandsyndrom". Die häufigste Ursache für beides ist falsches Reiten aufgrund falsch oder nicht verstandener biomechanischer Prinzipien. Beide Probleme lassen sich nicht mit den Methoden lösen, die sie verursacht haben. Gleichzeitig ist die Lösung dieser Probleme für die breite Masse der Pferde und Reiter die größte Herausforderung. Die Herausforderung für die Meister ist es, einen Weg zur Piaffe zu beschreiben und zu beschreiten, der auch vermeintlich schwachen und untalentierten Pferden und Reitern nicht schadet, anstatt hervorragendes "Pferdematerial" schnell ans Ziel zu bringen. Also:

Biomechanik und Piaffe ...

… oder warum eine Piaffe mit zurückgestelltem Vorderbein nicht „fast richtig“ ist sondern einfach von nicht verstandenen biomechanischen Grundlagen zeugt – ebenso wie die Piaffe mit senkrechten Vorderbein, aber weggestellter Hinterhand. Anlass zum Schreiben dieses Textes war ein Kommentar in einem Reiterforum, dass die echte Piaffe schwer zu erarbeiten sei und man froh sein könne, wenn es „wenigstens schon so“ (...wie das Beispielbild mit zurückgestelltem Vorderbein in diesem Forum) aussähe. Leider führt der Weg von der falschen zur echten Piaffe nicht einfach ein Stück weiter vorwärts, sondern den ganzen langen Weg zurück zur Grundausbildung und zum grundlegenden Bewegungsverständnis von Mensch und Pferd – und von dort aus ganz langsam wieder vorwärts, über Jahre (!) ständig wiederkehrende alte Muster löschend und neue erarbeitend.
 

Symptome Trageerschöpfung:
Herausgedrückte Bugspitze, untergeschobene Hinterhand mit abgekipptem Becken, zurückgestellte Vorderbeine (u.a.).
Falsche Piaffe:
Herausgedrückte Bugspitze, untergeschobene Hinterhand mit abgekipptem Becken, zurückgestellte Vorderbeine.
Biomechanische Funktion der Vorderbeine:
inklusive Schulterblatt und Rumpfheber: Den Pferderumpf auf Abstand zum Boden halten, und das sogar nach rückwärts-aufwärts mit Druck gegen das Reitergewicht – nicht aber gegen die Hinterhand.
Biomechanische Funktion der Hinterhand:
Schieben. Den Rumpf vorwärts schieben, damit er nicht rückwärts aus der thorakalen Faszienschlinge rutscht. Schieben, bis das Vorderbein mindestens senkrecht steht, denn erst dann ist gesichert, dass das Gewicht nicht wieder zurückgerollt kommt...

Es gibt eine schöne Übung für die Motorradfahrer unter den Reitern: Sucht euch einen mittelhohen Bordstein, fahrt euer Motorrad im 90°-Winkel davor und haltet mit dem Reifen am Kantstein an. Jetzt Gas geben und ohne Bremse, nur mit Gas und Kupplung, das Motorrad genau auf die Kante fahren und dort in der Balance halten. Nicht rückwärts runterrollen, nicht drüberfahren. Das ist Kontrolle. Vorsicht: Je nach Höhe des Bordsteins und der Länge der eigenen Beine im Verhältnis zur Sitzbankhöhe kommt man nicht mehr mit den Füßen auf den Boden.

Natürlich kann man auch genau auf der Kippe die Bremse ziehen, aber dann ist die Übung nicht verstanden. Wenn die Kupplung anfängt zu stinken, ist auch was verkehrt. ;))

Was passiert bei der falschen Piaffe der Reitkünstler? Das Becken des Pferdes wird aktiv (Sporen, Gerte, Rückwärtsrichten) abgekippt. Dadurch ist die Schubkraft des Pferdes außer Gefecht gesetzt. Deshalb muss die Vorhand den Rumpf ziehen, anstatt ihn zu heben – daher das zurückgestellte Vorderbein. Deshalb wird die Bugspitze nach vorne gedrückt, um wieder halbwegs in die Balance über der Vorhand zu kommen. Das Pferd federt sein Gewicht nicht in die Hanken sondern beugt diese mit Muskelkraft und hebt nur die Füße.

Auf das Motorrad übertragen bedeutet das: Wir lassen aus dem Hinterrad die Luft raus, heben das Vorderrad an und schieben den Kantstein drunter. Dagagen ist die Variante mit der Bremse echt noch elegant.

Bei der falschen Piaffe der FN-Reiter bleibt das Vorderbein zwar häufig senkrecht, die Hinterhand bleibt jedoch steil und herausgestellt. Auch hier arbeitet das Pferd in erster Linie mit Kraft in der Vorhand, die Hinterhand jedoch wirkt wie ein hüpfendes Anhängsel, aus dem gerade so viel Schub nach vorne eiert, dass die Vorhand eine Piaffe vortäuschen kann. Hier ist der Motor so weit gedrosselt, dass das Motorrad mit Vollgas und ohne Kupplung genau bis auf den Kantstein kommt – aber nicht weiter.

Was alle gemeinsam haben: Ohne Schubkraft federt das Pferd in der Faszie nach unten, es hebt mit jedem Tritt zwar die Füße, aber nicht den Rumpf. In einer echten Piaffe, die die perfekte Kontrolle der Schubkraft durch das Pferd (nicht durch den Reiter) zeigt, federt der Rumpf nach oben und nimmt das jeweilige Vorderbein mit. Das Pferd fragt mit jedem Tritt „Darf ich vorwärts?“ Es könnte jederzeit das Gewicht stärker in die Hanken fallen lassen, um mit der Entladung der Faszie im nächsten Moment anzugaloppieren oder eine Kapriole zu springen. Man sollte das Gefühl haben, dass das Pferd sich sammelt, weil es die nächste Aufgabe vorbereitet. Echte Kontrolle der Schubkraft entwickelt sich über Jahre, zusammen mit der echten Hankenbeugung. Dieser Begriff bezieht sich auf die Beugung, das Einfedern der großen Gelenke der Hinterhand - Hüftgelenk, Knie und Sprunggelenk - unter Last. Das hat mit dem Abkippen des Beckens (im Lumbosakralgelenk! Das ist anders als beim Menschen!) nichts zu tun und auch nichts mit gewinkeltem Anheben der Beine. Vor allem entwickelt sich das alles nicht durch Piaffe üben.

Die perfekte Piaffe ist m. E. nur zu erreichen, wenn man die Körperintelligenz des Pferdes und seine funktionale Versammlungsfähigkeit anspricht und ausbildet. Und wenn man die Grundprinzipien der Biomechanik verstanden, erspürt und verinnerlicht hat.

Warum aber sollten wir uns und den Pferden das Leben versauen mit dem ewigen Streben nach einer Form, wenn das Spiel mit den Funktionen "Tragen" und "Bewegen" doch so viel Freude und Befriedigung bringt? Sollte mich irgendwann in den nächsten Jahren eines der Pferde mit denen ich arbeite von sich aus fragen, wie eine Piaffe geht – na, dann fangen wir munter an zu üben!

Dienstag, 15. Juli 2014

Das nächste Seminar:

"Biomechanik und Faszientraining" am 09.08.2014 in 76863 Herxheim, Obere Hauptstraße 97a.
Das Schöne an diesem Seminar ist, dass es jedesmal anders ist und nie langweilig. TeilnehmerInnen und Pferde gestalten fleißig mit, so dass wir immer wieder zu den Basics kommen - und von da auch mal zu dem einen oder anderen Höhenflug. Theorie als Basis für das Verständnis, die Arbeit mit den Pferden und Zeit für den Selbstversuch verbinden sich zu einem sehr interessanten und entwicklungsfördernden Ganzen. Nach diesen Seminaren erhalte ich immer wieder schöne Rückmeldungen, wie die Arbeit der TeilnehmerInnen mit den eigenen Pferden sich verändert und wieviel Kreativität und Freude am Üben entstehen.

Nach "Trageerschöpfung" ist der häufigste Suchbegriff in diesem Blog "Fesselringbandsyndrom", deshalb werden wir uns an diesem Tag auch damit beschäftigen. Inzwischen weiß ich, wie schwierig dieses Thema anhand eines Textes zu erfassen ist, aber es gibt einige Beispiele und Übungen, mit deren Hilfe sich die Problematik recht gut erschließt.

Kursgebühr 88€ pro Tag und TeilnehmerIn, Anmeldung: marendiehl(at)aol.com

Montag, 7. Juli 2014

Billigdrucke - Thema durch

Da das Vorgehen von Amazon anscheinend legal ist - Billigimporte schlechter Qualität ("ausländische Standards") zum Originalpreis zu verkaufen - bleibt nur, alle Billigbücher umgehend zurückzuschicken. Amazon ersetzt klaglos den Kaufpreis, wie mir eine Leserin berichtete - selbst wenn das Buch nicht zurückgegeben werden kann, weil es nach Australien verschenkt wurde.

Nach Aussage des Verlagsservices, der das Buch vertreibt, sind etwa 60 Bücher im Ausland nach fragwürdigen Standards gedruckt worden:
"Wenn wir Bücher international vertreiben, müssen wir uns den Druckvorgaben anderer Länder anpassen. Besonders in Großbritannien und in den USA gelten andere Standards, die deutlich von denen des deutschen Buchhandels abweichen. (...) Wie schon erwähnt, haben wir keinen Einfluss darauf, auf welchem Wege Amazon die Bücher bestellt. Da das Buch jedoch nicht mehr von uns international vertrieben wird, wird das Buch nun tatsächlich nur noch von unseren deutschen Druckereien hergestellt werden."

Für mich persönlich ist es eine im Sinne des Urheberrechtes relevante Veränderung, Farbbilder in s/w darzustellen. Nach meinem Rechtsempfinden wäre dazu meine Zustimmung nötig gewesen.

Damit ist das Thema für mich durch, ich hoffe, dass alle Billigbücher an Amazon zurückgehen. Ich danke allen LeserInnen, die ordentlich Wirbel gemacht haben und hoffe sehr, dass Amazon davon Abstand nehmen wird, die restlichen Billigdrucke weiterhin zu verkaufen.

Montag, 30. Juni 2014

Billigdrucke - es geht voran


Artikel wird überprüft
Im Moment ist dieser Artikel nicht direkt über Amazon.de erhältlich. Kunden haben uns informiert, dass der erhaltene Artikel von der Beschreibung auf der Website abweicht.
Wir arbeiten bereits an einer schnellen Lösung.

 
Tja, komisch nur, dass die Artikelbeschreibung (falsches Format, keine Angabe zum Farbdruck) geeignet ist, den Verkauf von Billigkopien zu verschleiern!

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: spiritbooks (24. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3944587111
  • ISBN-13: 978-3944587110
  • Größe und/oder Gewicht: 1,3 x 17,5 x 25 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 119.149 in Bücher
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