Donnerstag, 7. Dezember 2017

Betrachtungen zu den Rotationsrichtungen in der Wirbelsäule des Reitpferdes auf gebogenen Linien

In den diesem Post vorangegangenen Gesprächen hat sich die Notwendigkeit gezeigt, im Vorfeld einige Begrifflichkeiten zu klären. Zum Einen geht es um den Unterschied und die Zusammenhänge zwischen Rotation und Torsion, zum Anderen um die Bezeichnungen für die Rotationsrichtungen. Schließlich gilt es auch noch, die unterschiedlichen Betrachtungsweisen bezüglich der Struktur der Wirbelsäule zu berücksichtigen. Hier kommen dann auch noch die Faszienzugbahnen ins Spiel.*

Da Maike Knifka und ich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten - sie als Therapeutin und ich als Reiterin oder Pferd, je nach Bedarf - erklären wir in unterschiedlicher Wortwahl mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Wer out-of-the-box forschen will, muss mehrsprachig verstehen können. Deshalb haben wir diesen Post als Austausch verfasst und in der Folge ist Maikes Text grün und meiner schwarz.
 
Rotation oder Torsion?
 
Die Rotation eines Körperteiles führt in einer tensegralen Struktur immer zu Torsion anderer Bereiche. Als einfaches Beispiel für das Verständnis von Rotation und Torsion kann man ein Handtuch auswringen. Man rotiert die beiden Enden des Handtuches gegeneinander und in der Folge entsteht im Handtuch Torsion. (Dank an Maike Knifka für dieses Bild.)
 
Rotation beschreibt die Drehung um eine Achse, Torsion das, was mit der Achse geschieht, wenn das rotierende Element mit der Achse fest verbunden und das andere Ende der Achse fixiert ist oder an jedem Ende der Achse gegenläufig zueinander rotierende Elemente befestigt sind.

Unsere Vorstellungskraft gibt uns die Möglichkeit, sehr unterschiedlich zu definieren, welche Körperteile rotieren, wo gedachte Fixpunkte sind, wo Torsion stattfindet – und wie sie sich wieder entlädt.

Die Rotationsrichtungen

Die Definition der Rotationsrichtungen gestaltet sich schwierig, weil die Therapeuten die Rotationsrichtung anders betrachten als ich und die meisten Nichttherapeuten, mit denen ich bislang über dieses Thema gesprochen habe.

Therapeuten beziehen sich auf die Bewegungsrichtung des Brustbeines bei der Rotation (also auf die Wirbelunterseite). Bewegt sich das Brustbein nach rechts, handelt es sich um Rotation rechts. In der Folge rotiert aus Therapeutensicht das Becken nach rechts, wenn sich die rechte Hüfte hebt. Ich würde diese Bewegung als Rotation nach links bezeichnen, also das Becken wie eine Flügelmutter am hinteren Ende der Wirbelsäule betrachten.

Wie jetzt? fragt der Schecke.Ich biete beides an und bitte um Rückmeldung meiner Leserinnen und Leser!
 
Wie sich im folgenden Text zeigen wird, sehe ich die Brustwirbel im Bereich der Tragerippen (2) als die am ruhigsten getragenen Wirbel mit der geringsten Rotation gegen das Bewegungslot. Definiere ich hier meinen Bezugspunkt und bleibe gleichzeitig bei dem Bild mit der Flügelmutter auf beiden Enden der Wirbelsäule, rotiert das Kreuzbein im Bild nach rechts, wenn sich die rechte Hüfte senkt. Bei einer durch die gesamte Wirbelsäule gehende Torsion nach dem Bild des Handtuches rotieren die Halswirbel (Flügelmutter vorne) nun nach links.
 
In einer Rechtsbiegung des Pferdes ist die Abwärtsbewegung der inneren Hüfte stärker betont als die der äußeren, wobei zu beachten ist, dass es sich um eine Betonung innerhalb der Bewegungsabläufe handelt und keine starre Einstellung.

Tensegrität durch Torsion zwischen Atlas und Becken

Liebe Maren, das Bild der Flügelmutter als Symbol für das Becken als „Rotationsmotor“ kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch in meiner Vorstellung wird durch die abwechselnde Bewegung der Hintergliedmaßen im Becken eine „oszilierende Schiffsschraubenbewegung“ initiiert, also Rotation im stetigen Richtungswechsel. Das Gegenstück der „Becken-Flügelmutter“ ist für mich der Atlas. Bei optimaler tensegraler Spannung rotiert in Biegungen die Flügelmutter vorne stets entgegen der Flügelmutter hinten. Eben genau so, wie man ein Handtuch durch gegenläufige Bewegungen auswringt.

Meine Vorstellung ist, dass in deinem Beispiel der Rechtsbiegung mit tendenziell rechtsseitig tiefer liegendem Becken nicht die gesamte Halswirbelsäule entgegengesetzt rotiert, sondern die eindeutige Gegenrotation des Atlas die ersten Halswirbel noch mit in seine Rotationsrichtung nimmt und irgendwo im weiteren Verlauf dann nach und nach die Umkehr in die Beckenrotationsrichtung stattfindet.
 
Betrachtet man die Wirbelsäule im Ganzen (Bild oben), rotieren vom Kreuzbein aus betrachtet alle Wirbel im Rahmen ihrer unterschiedlichen physiologischen Bewegungsmöglichkeiten im Verhältnis zu ihrem Vorgänger ein wenig (!) nach links. Aus Sicht der Wirbelsäule gibt es also keine Rotationsumkehr. Wohl aber aus der Sicht des Reiters oder eines beliebigen Referenzpunktes (s.unten!) in der Wirbelsäule.
 
Lass ins Gelände gehen, sagt der Schecke.

Der alte Grundsatz „keine Biegung ohne Stellung“ ist im Grunde genommen ein Tensegritäts-Bekenntnis, denn die Hilfestellung der Reiters zur Stellung des Genicks in Biegerichtung führt zur Gegenrotation des Atlas und stabilisiert so das Gesamtsystem.
 
Gefühlte Zusammenhänge

Wer in der Lage ist, das Bewegungsgefühl des Pferdes nachzuempfinden, kann sich vorstellen, dass es auf jeden Fall angenehmer ist, wenn Sattel und Reitergewicht im Bewegungslot getragen werden können und die Kraft der Vorderbeine sich gegen die gemeinsame Masse richten kann. Da das Pferd im Laufe der Ausbildung in Trab und Galopp auf gebogenen Linien immer wendiger werden und weniger Schräglage zeigen soll, muss demnach der Brustkorb senkrechter getragen werden (nächster Post...), während die Ausrichtung der Schubkraft durch die Veränderung der Beckenposition immer präziser wird.
 
In die Auf- und Entladung der Hanken fließen demnach die Rotationsbewegungen der Wirbelsäule mit ein. Das „innen tiefer Sitzen“ auf gebogenen Linien, von dem in den meisten Reitweisen die Rede ist, das man jedoch selten sieht, wird demnach durch die Wirbelsäulenrotation der hinteren Brustwirbel und der LWS und das dadurch sinkende Becken verursacht oder andersherum betrachtet, durch die aus der Beckenneigung nach innen entstehende Torsion in der Wirbelsäule. Bei einem kraftvollen Pferd spürt man jedoch nicht nur die Aufladung, sondern auch die Entladung des inneren Hinterbeines in Bewegungsrichtung.

Letzteres führt dazu, das man sich nicht mehr die Frage stellt, ob die Dornfortsätze nach innen oder außen kippen – sie ziehen in Bewegungsrichtung vorwärts wie eine Haifischflosse. Betrachtet man den Pferdekörper als tensegrale Struktur, lädt sich das Pferd in den jeweiligen Rotationsrichtungen selbst auf, die Knochen schwingen im Netz des Faszienkörpers.

Genaugenommen beeinflussen wir als Reiter also nicht die genaue Position der einzelnen Knochen, sondern die Bewegungsamplituden, die sich im Verhältnis zueinander verändern, sowie den Bezug verschiedener Teile zueinander...
 
     Durchlässigkeit

     Im Grunde genommen muss nicht das Pferd Durchlässig sein, sondern viel mehr der Reiter. Das ist sicherlich eine ungewöhnliche Formulierung. Aber der Reiter sitzt zwischen diesen beiden gedachten Flügelmuttern und muss mit den von dir beschriebenen korrekten inneren Bildern und Hilfestellungen die ausbalancierte Tensegrität des gesamten Pferdekörpers (und des eigenen Körpers!) zulassen und unterstützen. Die durch den Reiter verursachten Kollabierungen des Gesamtsystems sind vielfältig und allseits bekannt.
...weil Durchlässigkeit gerne mit lose sein verwechselt wird und körperliche Aktivität häufig "Einwirkung" bedeutet statt Präsenz.
 
   Das Zwerchfell ist Teil des Bewegungsapparats

   Zentrale Verknüpfungsstruktur zwischen „hinten und vorne“ ist das Zwerchfell des Pferdes, das sich unter dem Reiter ausspannt. Die Atmung des Reiters nimmt daher auch eine wichtige Durchlässigkeitsfunktion ein.

Mit dem großen Thema Zwerchfell und Atmung komme ich etwas vom eigentlichen Thema „Rotationsrichtungen“ ab
(dafür aber zielsicher zum Werbeblock: Dies wird eines der Themen der Gebrauchshaltungskonferenz sein!), aber ohne harmonischen und stabilen Körperkern fehlt dem Pferd ja die Möglichkeit der Ausrichtung auf das Bewegungslot und die Gefahr der Ablenkung von der gewünschten Kraftrichtung ist groß, so dass das Zwerchfell vielleicht doch mit hinein gehört in die Gedanken um die Rotationsrichtungen. Dieses Thema lässt sich bestimmt an anderer Stelle noch vertiefen (s.o.).

... Auf der gebogenen Linie verändern sich die Amplituden dahingehend, dass die Innenneigung des Beckens etwas stärker wird als die Außenneigung und sich die innere Hüfte senkt. Wobei hier in die Betrachtung einfließen sollte, dass das nur funktioniert, wenn das LSG geschlossen/gestreckt ist und Knie- und Hüftgelenk sich unter Last beugen. Ist das LSG offen/gebeugt, hebt sich die Kruppe erreicht in der Mitte der Stützbeinphase des inneren Hinterbeines ihren höchsten Punkt.
 
Das Kreuzbein zeigt am hinteren Ende des Rumpfes die Summe der Bewegungsamplituden der hinteren Brustwirbel und der Lendenwirbel mit jedem Schritt und wechselt ständig die Rotationsrichtung, wie an der Beckenbewegung sichtbar wird. Oder dämpfen die Wirbelverbindungen die durch die Auf- und Entladung der Hanken in der Wirbelsäule erzeugte Torsion?

Sobald die Beckenrotation nach innen zu stark wird, dissoziiert das Kreuzbein und damit das äußere Hinterbein und das Pferd geht „über die äußere Schulter“, weil das äußere Hinterbein keinen richtungsgebenden Schub mehr machen kann. Die Wirbelsäule kann nun die Torsion nicht mehr verarbeiten und „lenkt ab“.

Andersherum könnte man argumentieren, dass das Becken dissoziiert, wenn die gesamte Rumpfstruktur die Torsionskräfte nicht ausreichend integriert. Hier sind wir dann bei der Notwendigkeit des Trainings der Kernstrukturen und der Tiefen Rumpflinien (Faszienzugbahnen) angekommen.
 
     Stabilisierender „Heckantrieb“

     Der Impuls für eine positive Aufspannung muss von der Hinterhand ausgehen. Die Ausrichtung der hier entwickelten Kraft geht nach vorne oben Richtung Atlas und Genick. Die entstehenden Torsionen bestehen in der gesamten tensegralen Körperstruktur und finden in der gegenläufigen Atlasrotation ihr stabilisierendes und begrenzendes Pendant. Der Reiter spürt im Idealfall unter sich ein stabiles System, das sich durch ein spürbares, wie du es nennst haifischflossen-artiges Vorwärts auszeichnet.


Da die tensegralen Strukturen im Pferd so vielfältig sind, gibt es nicht nur unterschiedlich große Rotationsamplituden und -richtungen, sondern auch eine unterschiedliche Festigkeit und Belastbarkeit. Je besser das Pferd seinen Körper nutzt, um so stabiler wird der Rumpfbereich unter Last, während der Hals sich leichter und beweglicher anfühlt. Dies könnte den Erfahrungen Steinbrechts entsprechen, der ja immer wieder nachdrücklich davor gewarnt hat, den Hals des Pferdes lose zu arbeiten, bevor dieses in seiner Kraft ist. Denn der sich leicht anfühlende Pferdehals fühlt sich nur deshalb so an, weil er gut mit dem Rumpf verbunden ist und letzterer sich von ersterem führen lässt.

... Insgesamt alles Eigenschaften, die sich beim Pferd zeigen, das seine Kraft aus der Hinterhand entwickelt und über Becken und Kreuzbein nach vorne überträgt. Die Hinterhand ist somit für die Vorwärtsbewegung zuständig, die Vorhand für die Aufwärtsbewegung. Ohne Kraft aus der Hinterhand kollabiert das System und die Vorhand muss sich durch Vorwärtsziehen zwangsläufig an der Vorwärtsbewegung beteiligen.
 
Betrachtungsweisen

Um die Zusammenhänge korrekt einordnen zu können, sollte man die verschiedenen Vorstellungen von dem, was und wie eine Wirbelsäule ist, kennen. Unterschiedliche Betrachtungsweisen fürhren zu unterschiedlichen Schlüssen.

(1) Die Wirbelsäule als lose Kette von Wirbeln

Dieses Bild bietet zu viele mögliche Bewegungsrichtungen, die Biege- und Torsionssteifigkeit ist zu gering. Eine solche Struktur ist nicht belastbar. > Pferd nicht reitbar

     Systemkollaps durch Hypermobilität

   Wenn ich in der Bewegungsbeurteilung eines Patientenpferdes sage (zugegebenermaßen augenzwinkernd), dass mir das Pferd zu wenig steif ist, ernte ich erstaunte Gesichter. Wer „tensegral denkt“ weiß sofort, was damit gemeint gemeint ist, aber sehr häufig begegnet mir der Wunsch des Reiters nach mehr Beweglichkeit, mehr Biegefähigkeit usw.. Das Pferd wird als steif und „auseinander gefallen“ beschrieben.
 
In der Bewegung fehlt diesen Pferden aber keine Biegsamkeit, sondern Kraftentwicklung aus der Hinterhand und die Möglichkeit der Kraftübertragung auf das Gesamtsystem. Der Hinterhand fehlt es an „Vorwärts“ und der Vorhand an „Aufwärts“. Den Schwerpunkt auf Biegefähigkeit zu legen, ohne dabei den Fokus auf Systemstabilisation und Kraftrichtung zu legen, führt meiner Meinung nach zu noch mehr wabbeligen, schlängelnden und kraftlosen Bewegungen und geradewegs in die pathologische Bewegungsphasenverschiebung, die du in deinem zweiten Buch so treffend beschreibst.

Für mich sind deutlich sichtbare Dornfortsatzbewegungen, Brustbeinverschiebungen und starkes Beckenkippen in der Bewegung stets Anzeichen von Kollabierungen der tensegralen Struktur im Sinne des Zusammenspiels aus Spannungselementen (myofasziales System) und Druckelementen (Skelett) und nicht positiver Ausdruck von Beweglichkeit oder gar Elastizität. Elastizität entsteht dadurch, dass sich das Weichgewebe die Knochen zum Aufspannen zu nutze machen kann. Bei diesem Bild wird klar, dass deswegen das Skelett immer im Bewegungslot bleiben muss, da es ansonsten zu Turbulenzen im System kommt.

Ich denke, dass die durch die Beckenrotation entstehenden Torsionskräfte im Idealfall der Bewegungsbalance auf die gesamte Wirbelsäule verteilt werden, wo sie durch kleinste „In- und Gegeneinander-Rotationen“ organisiert und genutzt werden. Betonte Bewegungsrichtungen entstehen dann in Biegungen, ohne dass die Kleinstbewegungen aufhören.
 
(2) Achse, auf der Wirbel aufgereiht sind
 
Stellt man sich die Wirbelsäule als Achse vor, auf der die Wirbel aufgereiht sind, ist es denkbar, dass einzelne Wirbel sich auf der Achse innerhalb ihres natürlichen Bewegungsspielraumes gegen die anderen verdrehen, was unweigerlich geschieht, wenn man die Achse biegen will, ohne Rotation zu ermöglichen. Das Pferd folgt dem Bild, das der Reiter von ihm hat - anders lassen sich die unterschiedlichen Bewegungsmuster m.E. nicht erklären! So ist wenig physiologisch sinnvolle Biegung möglich, die Belastbarkeit ist gering. > Pferd reitbar, aber ständig behandlungsbedürftig.
 
(3) Tensegrale Struktur

Die Wirbel bilden gemeinsam eine gleichzeitig biegsame, biegesteife und torsionsbelastbare Struktur, in der durch Rotation des Beckens stärkende Torsion ausgeübt wird. Sehr wesentlich ist hier die Eigenschaft tensegraler Strukturen, auf Druck- oder Zugbelastung mit Rotation zu reagieren und bei Belastung durch Torsion sofort fester und belastbarer zu werden, ohne zu verkrampfen. Biegung und Rotation gehören hier immer zusammen und bedingen sich gegenseitig.  > Pferd sehr belastbar, aber unreitbar, wenn mit unpassenden Bewegungsmustern gearbeitet wird.

Referenzwirbel*

Weiter oben habe ich den Begriff „Referenzpunkt“ bzw. „Referenzwirbel“ eingeführt, um eine Möglichkeit zu finden, die Ausrichtung der in sich spiralisierten Wirbelsäule im Raum zu definieren. Der Referenzpunkt bezieht sich immer auf den im Bewegungslot stehenden Wirbel – und das kann in der über die ganze Länge physiologisch sinnvoll spiralisierten Wirbelsäule nur einer sein. Beim Pferd. Bei der Schlange ist es anders.

Nehmen wir als Referenzpunkt einen der Brustwirbel im Widerristbereich: Unabhängig davon, wie winzig die Rotation der Brustwirbel zueinander ist, es kann immer nur ein Wirbel im Bewegungslot stehen. Alle, die sich davor befinden, rotieren in Bezug auf diesen Wirbel in die eine Richtung, alle, die dahinter sind, rotieren in Bezug auf diesen Wirbel in die andere Richtung. Obwohl die Rotationsrichtung aller Wirbel zu ihrem jeweiligen Vorgänger gleich ist.

Befindet sich der Referenzpunkt im letzten Lendenwirbel, rotieren alle Wirbel davor in Bezug auf diesen Punkt in die gleiche Richtung, wenn auch in Bezug auf Vorgänger und Nachfolger in den unterschiedlichen Wirbelsäulenregionen unterschiedlich weit. Wenn also das Becken waagerecht ist, neigen sich die Dornfortsätze zur Seite und die Halswirbel drehen sich noch weiter in die gleiche Richtung.

Steht der dritte Halswirbel senkrecht, neigen sich die Dornfortsätze zur Seite und das Becken neigt sich noch weiter in die gleiche Richtung.

*Referenz-Wirbel, nicht Referen-Zwirbel! :D
 
Thesen:
 
Aufgrund der uns zur Verfügung stehenden Informationen und meiner Arbeit mit dem Bewegungsgefühl in Verbindung mit Kraftschluss möchten wir folgende Thesen aufstellen:

(1) Ist das Pferd sehr tief eingestellt (Pferdenase unterhalb der Linie Hüfte-CTÜ), rotiert der Brustkorb im Verhältnis zum Becken (oder mit dem Becken, dann hebt das äußere Hinterbein ab) mit den Dornfortsätzen nach innen. Die äußere Hüfte hebt sich. Die Halswirbel rotieren nach innen**. (Der senkrechte Referenzpunkt/-wirbel innerhalb der aufspiralisierten Wirbelsäule befindet sich im Kreuzbein bzw. hinter dem Kreuzbein.)

Das beobachte ich auch so und ich würde sagen, dass hier die Becken- und Atlasrotationen verkehrt herum im Sinne der tensegralen Kraftübertragung stattfinden. Das Pferd läuft sozusagen nicht „von hinten nach vorne-oben“, sondern „mit vorne nach vorne-unten“. Die Frage ist ja nun auch, wie sich die myofaszialen Zugbahnen bei den jeweiligen Körperhaltungsmustern verhalten.
Meine Beobachtung hierzu ist, dass in diesem Fall der tiefen Kopf-Hals-Position das Pferd durch die starke Betonung der Vorhandbelastung die muskuläre Aktionsbasis nach vorne in den Schulterbereich legt. Hierbei sehe ich die Spirallinie und die Laterallinie im Vordergrund. Die Überbelastung des großen Rumpfträgers (m. serratus ventralis thoracale) und Mitglied der Spirallinie führt dazu, dass der Gesamtbewegung die muskuläre Aktion der Rumpfträger und damit der Rumpfanhebung- und stabilisation abhanden kommt. Die Kraftrichtungen aus den Vorderbeinen und Rumpfhebern sind nicht mehr gegen das Reitergewicht gerichtet.
 
Im weiteren Verlauf der Spirallinie arbeitet der m. obliquus externus abdominis (äußerer schräger Bauchmuskel) betonter als der gegenüber liegende innere schräge Bauchmuskel. Somit ist die Stabilisation des Brustkorbs gefährdet und dieser gerät in Biegungen in Außenrotation (Dornfortsätze nach innen, Brustbein nach außen). 

Foto: Bauchhautmuskel,
linke Körperseite,
Blick auf Bauchunterseite 
(c) Maike Knifka
Sehr interessant finde ich hierbei auch die Arbeitsweise der Laterallinien und zwar vor allem des häufig sehr stiefmütterlich behandelten Bauchhautmuskels (m. cutaneus colli), der im Rumpfbereich die äußerste breitflächige und dicke (bis zu 3 cm!) Muskelschicht darstellt. Er ist betonter im vorderen Rumpfbereich ausgebildet und stark an der lateralen Balance beteiligt. Bei starker Vorhandlastigkeit wird er meiner Meinung nach nicht ausreichend von der hinteren Bewegungsbasis (Hinterhandbewegung) gespannt und kann seine stabilisierende Wirkung nicht entfalten. 
 
So, wie ich die erste Studie von W. Södring-Elbrond verstanden habe, sind die Laterallinien mit ihren sich kreuzenden Zügen in einer mittleren Aufrichtung am besten im Gleichgewicht. Das wäre auch nochmal ein Thema für einen Post. :D
 
 
 

(2) Ist das Pferd sehr hoch eingestellt bei gleichzeitig abfallender Linie Hüfte-CTÜ, rotiert das Becken mit der inneren Hüfte nach oben, die Dornfortsätze zeigen nach außen. Die Halswirbel rotieren nach innen**. (Der senkrechte Referenzpunkt/-wirbel innerhalb der aufspiralisierten Wirbelsäule befindet sich in der mittleren HWS.)
 
Bei hoch aufgerichteter Kopf-Halsposition mit tief liegendem CTÜ herrscht in der Wirbelsäule die Extensionstellung vor, was kompensatorisch meistens zur Steilstellung des Beckens führt. Entweder mit Lendenwirbelsäule in Extension, oder sehr häufig auch in Flexion. Die Steilstellung führt zur Flexion, oder Öffnung des LSÜ. Diese Haltung stellt für mich dann immer eine komplette Kollabierung der myofaszialen Zugbahnen mit Verlust der gewünschten Bewegungsausrichtung nach vorne-oben dar. Im kollabierten LSÜ ist die Kraftübertragung vor allem der in die oberflächliche Dorsallinie mündenden Spirallinie und der Dorsallinie selbst mangels Kraftschluss behindert.
 
(3) Befinden sich CTÜ und Hüfte auf einer Linie mit dem Pferdemaul (oder mindestens auf einer horizontalen Linie), bleibt der Brustkorb im Bewegungslot und das Becken neigt sich nach innen und die Halswirbel rotieren nach außen***. (Der senkrechte Referenzpunkt/-wirbel innerhalb der aufspiralisierten Wirbelsäule befindet sich in der BWS im Bereich der Tragerippen.)

Im Idealfall gewährleistet ein geschlossener LSÜ in Neutralstellung die Arbeit der Zugbahnen und andersherum gewährleistet eine muskulär aktive Arbeit der Zugbahnen die Kraftübertragung im LSÜ. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich anschaut, wie stark die LSÜ-Region muskulär-faszial überspannt ist. Mein Bild ist hierbei, dass dies nur dann möglich ist, wenn die Aktionsbasis für Vorwärtsbewegungen hinten und die für Aufwärtsbewegungen vorne liegt. Nur die kräftige Vorwärtsbewegung aus der hinteren Aktionsbasis heraus ermöglicht der vorderen Basis eine aufrichtende, muskulär dominante, abstützende Bewegung. Das gelungene Zusammenspiel erhält die pyhsiologischen Bewegungsphasen der Gliedmaßen. Wirbelsäule und Brustkorb bleiben im Lot und ermöglichen als annähernd „ruhender Pol“ ausbalancierte Muskelaktionen, in welcher Form auch immer. Diese führen zu einer für die Bewegungsübertragung unerlässlichen positiven „Versteifung“ der Wirbelsäule.


Wenn man einheitlich nach einer Lehre ausgebildete Pferde betrachtet, kann man zu dem Schluss kommen, dass es so sein müsse, wie es ist.

Vergleicht man die Schulen miteinander, findet man alle oben genannten Variationen und vermutlich noch ein paar andere.
 
Die große Frage ist für mich: Ist es gut so, wie es ist - oder ist es nur mangels praktikabler Alternativen so, wie es ist? Ist das, was ich mehrheitlich beobachten kann aufgrund der signifikanten Masse gut? Ist die Norm, das was überall zu sehen ist, für mich und/oder das Pferd erstrebenswert? Warum? Wie verändert sich die Norm von Reitweise zu Reitweise? Was haben tragkräftige, kooperative bewegungskompetente Pferde gemeinsam?

* Maike Knifka hat im November eine Fortbildung bei Wiebeke Södring-Elbrond zu den Tiefen Faszienzugbahnen beim Pferd gemacht, zu der auch eine Sektion gehörte. Es freut mich, dass diese Zugbahnen, von deren Vorhandensein ich beim Verfassen von "Jenseits der Biomechanik - Biotensegrity" ausging, nun auch nachgewiesen sind.

Und was macht nun der Hals?

Die Rotationsrichtung muss hier nach meiner Definition der Biegung entgegengesetzt laufen, also Biegung links, Rotation rechts. (Damit unser Handtuch nicht mittendrin die Richtung wechseln muss.) So fühlt es sich auch beim Reiten an, wenn es richtig gut ist. Findet auch der Schecke, beschreiben wir im nächsten Post. Oder im übernächsten. Rotation des Halses in Biegerichtung**** haben wir beim Kratzen mit dem Huf hinterm Ohr. Das Kreuzbein rotiert dann gegen die Biegerichtung****, die Innenseite des Beckens hebt sich...

Dechaotisation der Richtungen:
**Therapeutensicht: Halswirbel rotieren nach außen
***Therapeutensicht: Halswirbel rotieren nach innen
***Therapeutensicht: Rotation links, die Unterseite der Halswirbel bewegt sich nach links
****Aus Therapeutensicht gegen die Biegerichtung, Kreuzbein in Biegerichtung


Sonntag, 3. Dezember 2017

Stolze Tante




















Wenn mein Neffe nach einer kurzen Einweisung, auf welche Details man beim Malen achten kann, ein solches Pferd nach Fotovorlage vom Smartphone zeichnen kann, dann können erwachsene Blogleser auch meine Posts verstehen. :D  Was man nicht kann ("Ich kann keine Tiere malen"), kann man üben. Am Dienstag kommt der nächste Wirbelsäulenpost.


Dienstag, 28. November 2017

Rotation und Torsion in der Wirbelsäule des Pferdes

Es ist unglaublich, um wie viel klarer sowohl Vorstellung als auch Ergebnis werden, wenn man den Fokus auf das Kreuzbein und dessen Anbindung an Wirbelsäule und Brustbein richtet, statt auf die Beckenrotation. Bislang konnte ich bei all denen, die sich mit der Beckenrotation beschäftigten, viel Geschaukel und im Ganzen kraft- und richtungslose Pferde mit verschobenen Kraftphasen beobachten. Bei denen wiederum, die eine gute Kraftübertragung erreichten, fehlte die Geschmeidigkeit.“

Das war der Anfang eines vielversprechenden Posts über Fokus und Bewegungsgefühl. Und dann habe ich alle gedanklichen Fäden bis zum Schluss verfolgt, in einem langen Telefonat mit Maike Knifka besprochen, und in einem weiteren mit Katja Eser. Danke euch beiden für eure Zeit und die Bereitschaft, die Sachverhalte zu diskutieren und die Definitionen zu klären!

Auch der Schecke hat hochkonzentriert mitgearbeitet und natürlich auch diskutiert.

Es ist zu bezweifeln, dass man diesen Text ohne ein Verständnis für Tensegrität und ein vorangegangenes gutes Training für den eigenen Körper in seiner vollen Bedeutung erfassen kann. Aber Achtung: Ein tensegrales Bewegungsverständnis setzt nicht zwangsläufig intellektuelles Wissen über Tensegrität voraus! Ich lade euch also ein, mit mir und dem Schecken auf die Reise zu gehen.

Ich habe von Knochen geschrieben, weil diese Knochen und ihre jeweilige Ausrichtung sowohl Anker für meinen Fokus beim Reiten sind als auch die aufspannenden Druckelemente im Netz der Faszien, mit denen sie gemeinsam eine tensegrale Struktur bilden.

Was war die Ausgangsidee?

Im Gyrotonic-Training bei Ninette Billhardt habe ich eine recht gute Kernstabilität erarbeitet und daraufhin angefangen, die so erfahrenen Zusammenhänge beim Reiten dem Pferd anzubieten.

Danke, sagt der Schecke. Ist interessant. Eröffnet neue Möglichkeiten.

Wie gehören Kreuzbein und Brustbein zueinander?

Für mich liegen beim Menschen Brustbein und Kreuzbein flach an einer gedachten senkrechten Röhre. Beim Pferd befinden sie sich auf bzw. unter einer horizontalen (gleichzeitig stabilen, aber dennoch biegsamen, rotations- bzw. torsionsfähigen) Röhre*. Für die korrekte Anbindung beim Pferd muss sich das LSG für die Phase der Kraftübertragung (der in der zweiten Hälfte der Stützbeinphase stattfindenden Entladung der tensegralen Struktur) schließen.

Ist klar, sagt der Schecke.

Zwischen den Kraftphasen der Hintergliedmaße kann sich das LSG lösen. Es gibt also einen leichten Schwungradeffekt. (Bleibt das Schließen des LSGs zur Kraftübertragung aus, drückt sich die Kruppe im LSG-Bereich in der Mitte der Stützbeinphase nach oben. Die zweite Hälfte der Stützbeinphase wirkt verkürzt und das Hangbein kann nicht mehr frei vorschwingen. Es entsteht eine ziehende Vorhand.)
Die Rotation im Kreuzbein entsteht aus der Summe der Wirbelrotationen in LWS und hinterer BWS. (Im LSG selbst ist keine Rotation möglich und das Becken kann auch nicht mehr als 1-2 Milimeter auf den Gelenksflächen des ISG „rutschen“. Der Brustkorb mit den Tragerippen ist ebenfalls stabil. Diese Möglichkeiten scheiden also aus.) Das Kreuzbein bleibt dabei auf der Längsachse der Wirbelsäule und stabilisiert sich durch Schubübertragung entlang dieser Achse nach vorne.

Fühlt sich cool an, sagt der Schecke.

Die Beckenrotation darf also keinesfalls die Kraftlinien durch das Kreuzbein brechen.

Ups, sagt der Schecke.

Die Rotationsrichtung wechselt mit dem Auffußen eines Hinterbeines, im Trab in der Schwebephase.
Ist das menschliche Kreuzbein in einer Position, die ebenfalls Rotation zulässt, findet der Kraftschluss, also das Getragenwerden, immer in der Kraftphase des Hinterbeines statt.

Woher kommt das kurz-lang-Treten?

Bei fast allen Pferden kann man sehen (Video-Standbilder), dass im Trab das eine diagonale Beinpaar beide Röhrbeine gleichzeitig in der Senkrechten hat und das andere eine Verschiebung aufweist, wodurch das hintere Röhrbein zeitlich nach dem vorderen die Senkrechte erreicht.
Es handelt sich hier um eine Bewegungsgewohnheit, die viele, auch weit ausgebildete Pferde zeigen. Das LSG schließt sich in der Kraftphase des einen Hinterbeines weniger als in der Kraftphase des anderen weil das Pferd einen Teil der nötigen Rotation des Kreuzbeines durch Beugung/Öffnung des LSG ersetzt. Oder umgekehrt.
Das Pferd hat ein bremsendes und ein schiebendes Hinterbein. Auch der Schecke.

Stimmt, sagt der Schecke.

Das kommt von der Schiefe, sagt Katja.

Oder umgekehrt, sagt der Schecke.

Und wie stellt man das ab?

Stabilisiert man das Kreuzbein auf der Längsachse und konzentriert sich auf Kraftschluss und die Rotation des Kreuzbeins in Bezug auf den vorderen Brustkorb mit Tragerippen und Brustbein, richtet sich das Pferd gerade und fußt gleichmäßig.

Oder umgekehrt, sagt Katja.

Der Schecke sagt, das passt so. Sagt er nicht oft!

Nun wandert der Fokus aber schon weiter. Durch die korrekte Rotation des Kreuzbeines entsteht mehr Geschmeidigkeit und, wenn wir uns auf die Seite der abgesenkten Hüfte und des vorschwingenden Hinterbeines konzentrieren, Biegung.

Oh ja, sagt der Schecke.

Zu früh gefreut. Wer den Fokus auf der Kraftphase des anderen Hinterbeines und seinen Sitz auf selbigem verliert, hat verloren. Das Kreuzbein koppelt sich vom Brustbein ab, alles fängt an zu wackeln. Die Kraftphase hinten fehlt – und sofort fängt das diagonale Vorderbein an, zu ziehen. Es verlagert seine Kraftphase in die zweite Hälfte seiner Stützbeinphase.

Mist, sagt der Schecke.

Genau. Denn jetzt geschieht etwas, was häufig als erstrebenswert beschrieben wurde: Die Dornfortsätze des Widerristes scheinen nach innen zu kippen. Die äußere Schulter hebt sich.

Sollen die Dornfortsätze der Brustwirbelsäule sich nach innen neigen?

Nein, das kann nicht erstrebenswert sein, weil diese Veränderung mit dem Verlust des Kraftschlusses bezahlt wurde. Die in der Brustwirbelsäule stattfindende Rotation im Bereich der Tragerippen kann nur minimal sein und darf sich nicht offensichtlich zeigen. Zudem kann man den Vergleich mit dem Handtuch** zuhilfe nehmen. Bei der gleichen Torsion über die ganze Länge kann sich die Ausrichtung im Raum verändern. Die vorderen Brustwirbel können daher nahezu im Bewegungslot bleiben.

Stimmt, sagt der Schecke.

Na gut, sagt Katja.

Also nochmal. Kreuzbein und Brustbein. In Mensch und Pferd. Rotation, die aus der Wirbelsäule kommend, das Kreuzbein um die Längsachse drehen lässt. Anbindung zum Brustbein halten. Kraftphase des äußeren Hinterbeines finden. Anbindung des Kreuzbeines halten. Kraftphase des anderen Hinterbeines. Aha.

So geht das, sagt der Schecke.

Nein, die Dornfortsätze neigen sich jetzt nicht in die andere Richtung. Der Brustkorb bleibt zwischen den Rumpfhebern stabil, das Brustbein und die Dornfortsätze bleiben übereinander. Nun bleibt auch die Mittelachse des Kopfes (von vorne betrachtet) senkrecht, anstatt sich zu verdrehen.

Wir können nochmal über diesen Dressurkram reden, sagt der Schecke. Ist interessant.

Woraufhin er an der Monsterstelle des Reitplatzes das neue System auf Belastbarkeit prüft. Und siehe da: Trotz Störung von außen bleiben beide Hinterbeine in Arbeit und es verdreht und verbiegt sich nichts. Selbst im Galopp entsteht einfach nur ein mächtigerer Galoppsprung.
In der Folge fühle ich, wie es ist, wenn die Dornfortsätze in Bewegungsrichtung vorwärts gezogen werden. Auf der Geraden wie auf der gebogenen Linie. Auf letzterer fühlt es sich wie ein nach innen neigen an, ist es aber nicht.
Jep, sagt Katja.
Lass ins Gelände gehen, sagt der Schecke.
Das hat er sich fein ausgedacht, der Schecke. Denn jetzt kommt etwas ganz kompliziertes, was er nicht wissen muss. Kruppeherein. Wenn das LSG krampfhaft geöffnet ist, die Vorderbeine ziehen und der Brustkorb sich nach innen neigt, lässt sich sehr leicht ein Kruppeherein simulieren. Da die Rotation aber bereits im Brustkorb stattfindet, rotiert das Kreuzbein in die falsche Richtung. Die innere Hüfte kommt hoch.

Jep, sagt Katja.

Lassen wir bleiben, oder? Fragt der Schecke.

Wie sieht es korrekt aus?

Möchte ich auch mal wissen, sagt der Schecke.

Bei stabilem Brustkorb, senkrechten Dornfortsätzen und geschlossenem LSG bleibt die innere Hüfte tiefer und die Mittelachse des Schädels senkrecht.

M.E. gibt es kein Kruppeherein, in dem die innere Hüfte tiefer bleibt. Selbst wenn die Dornfortsätze senkrecht stehen bleiben würden, würde dies eine abnorme Adduktion im Hüftgelenk des äußeren Hinterbeines erfordern. Sagt Katja. Deshalb ist das Schulterherein das Aspirin der Reitkunst.

Wir wollten doch ins Gelände, sagt der Schecke.

*  Dieses Bild kommt der tensegralen Ausdehnung und Begrenzung einer tensegralen Struktur in diesem Zusammenhang am nächsten. Die Bedeutung der Biotensegrität wurde bereits in meinem Buch und in Seminaren erläutert – die Röhre ist ein schwacher Ersatz. Man könnte auch eine Schwimmnudel nehmen. Oder das Handtuch.

** Als einfaches Beispiel für das Verständnis von Rotation und Torsion kann man ein Handtuch auswringen (Dank an Maike Knifka für den Vergleich). Man rotiert die beiden Enden des Handtuches gegeneinander und in der Folge entsteht im Handtuch Torsion. Siehe nächster Post.

Samstag, 25. November 2017

Krise

Ich hab die Krise. Als fortbildungswilliger Mensch lese ich die meisten vielversprechenden Bücher über Pferde, Pferdetraining, Osteopathie und Physiotherapie. Ich lese sie fast immer bis zum bitteren Ende. Weil ich in meinen Seminaren und per Mail zu meiner Meinung zu diesen Büchern gefragt werde.

Aber die Bildauswahl ist immer wieder das Grauen. Selbst in Fachbüchern, sogar in medizinischen oder therapeutischen Fachbüchern finden sich Bilder von Pferden mit deutlichen Phasenverschiebungen, mit falschem Knick, der Nasenlinie weit hinter der Senkrechten (woran auch die geschickte Aufnahme von vorne oder schräg vorne nichts ändert. Wenn ich gleichzeitig die Schuhsohlen des Reiters und das Pferdegenick von oben sehen kann, liegt das sicher nicht an der Perspektive.), von den Rückenlinien ganz zu schweigen. Und zwar nicht als abschreckendes Beispiel, sondern als Vorbild! Dazu kommen noch häufig genug Bilder, die das Gegenteil von dem zeigen, was laut Bildunterschrift zu sehen sein soll.

Leute, da hilft die beste Bildqualität nichts. Ich weiß schon, warum ich selbst gezeichnet habe. :D

Wöchentlich bekomme ich Mails von Reitern und ReiterInnen, die mich fragen, ob das alles so richtig sei. Mein Problem: wie kann ich diese Frage beantworten, ohne mich der Kollegenschelte schuldig zu machen?

Mein diplomatischer Kompromiss:
"Schauen Sie sich doch einfach Fotos und Videos unter besonderer Berücksichtigung der im Folgenden genannten Kriterien an: Für mich sind die Grundgangarten im Arbeits- bis Mitteltempo relevant für die Beurteilung der Ausbildungsqualität. Klare Fußung, Nase vor der Senkrechten, Genick höchster Punkt, in Schritt und Trab neutrales LSG. Hüfte, CTÜ und Pferdemaul in etwa auf einer Linie. Drücken Sie öfter mal die Pausentaste und betrachten Sie unterschiedliche Bewegungsmomente. Und stellen Sie sich vor, Sie wären das Pferd. ;)  Überlegen Sie nicht, was falsch ist, sondern wie es besser sein könnte."

Dass inzwischen mal der Eine oder die Andere etwas von Biotensegrität gehört, es verstanden hat und darüber schreibt, ist vielleicht zu viel verlangt. Leider wirken die ganzen biomechanischen Erklärungen für mich immer abstruser, weil sie kein brauchbares Bewegungsgefühl hervorzaubern können. Da freue ich mich doch über Kolleginnen, die stundenlang im Vierfüßlerstand herumexperimentieren und auf ihren Körper hören.

Und morgen gibt es dann wieder einen Fachpost. Versprochen.


Donnerstag, 2. November 2017

Fragen

Es gibt ein paar Fragen zu meiner Arbeit, die mir öfter gestellt werden. Eine davon versuche ich heute zu beantworten:
 
Warum bildest du nicht aus?
 
In einer ruhigen Minute habe ich darüber nachgedacht und bin hinter meinen üblichen oberflächlichen Ausreden auf eine Kernaussage gestoßen. Meine Aufgabe liegt nicht bei der Entwicklung von Methoden und Techniken oder der Gestaltung von Ausbildungskonzepten. Für mich steht im Vordergrund, andere zum Fragenstellen und Forschen zu inspirieren. 
Das Thema Biotensegrität beispielsweise drängt sich in die (Reiter-)Welt. Es ist nicht mein Thema, nicht mein Besitz. Wenn nun 1000 Menschen "nach Maren Diehl arbeiten" würden, in dem Bestreben, nachzumachen, was ich erarbeitet habe, fände ich das eher gruselig.
 
Wenn jedoch 1000 Menschen, TrainerInnen, TherapeutInnen, TiermedizinerInnen, HufpflegerInnen, Sport- und FreizeitreiterInnen durch meine Arbeit die Prinzipien der Biotensegrität verstehen und sich auf die Suche machen, was dies für sie selbst, ihr Reiten, ihre Reitweise, ihre Vorstellung von einem gesunden (Pferde-)Körper und ihre jeweilige Arbeit bedeutet  - dann passiert richtig was!
 
Wenn 1000 Menschen sich in ihrem jeweiligen Bereich Gedanken über die Zusammenhänge zwischen LSG, Beckenposition, Fußung und Erkrankungen aller Art machen, dann werden neue Fragen gestellt und beantwortet.
 
Wenn diese Fragen in allen Reitweisen gestellt werden, geht es nicht mehr darum, was nun schlimmer oder falscher ist - es geht um die Frage, wo es hingehen soll. Wodurch sich ein tragfähiges Pferd denn auszeichnet.
 
Von den 1000 bin ich vermutlich noch weit weg, aber inzwischen gibt es doch einige, die immer weiter Fragen stellen und mit mir ihre Gedanken und Erkenntnisse teilen. Und mit jedem Seminar kommen weitere ForscherInnen dazu.

Das freut mich ungemein!
 
Deshalb findet im nächsten Jahr, am 10.-11. November 2018,  in 76889 Klingenmünster die Gebrauchshaltungskonferenz statt. Weiteres später.

Samstag, 21. Oktober 2017

Neues vom Scheckenheld



Da ist er wieder! Gegen Ende des Sommers hatten mich ernsthafte Zweifel beschlichen, ob innere Ruhe und Ausgeglichenheit beim Pferd wirklich erstrebenswert sind. Im Sommer-Weide-Koma wurde aus der Gelassenheit - die gerade bei diesem Pferd zu den absolut erstrebenswerten Qualitäten zählt - zunehmend Phlegma. In der Folge rotiert natürlich gleich das Reiterhirn: Tut ihm was weh? Drückt der Sattel? Was hab ich falsch gemacht?

Gegen diese Annahmen sprach allerdings das allgemeine Verhalten, das deutlich Zufriedenheit ausdrückte. Zudem äußert er seine Vorstellung von der optimalen Länge einer Trainingseinheit auf dem Platz ganz deutlich durch ordentliches Aufstellen an der Mittellinie.
 
Die Gratwanderung bestand nun darin, einerseits den aktuellen Zustand zu akzeptieren und gleichzeitig etwas mehr Engagement zu fordern, ohne in die Falle "Kraft durch Aufregung" zu stolpern. Und obwohl das Pferdehirn vor dem dazugehörigen Körper wach wurde, haben wir den Übergang vom Sommer in den Herbst sehr gut gestaltet. Anscheinend handelte es sich um eine Verpuppungsphase. Der frisch geschlüpfte Schmetterling zeigt eine meistens recht angenehme Art der Kommunikation, kommt und begleitet auf Zuruf (sogar in der Herde) und will jetzt endlich ins Gelände. Und der Sattelabdruck ist wieder perfekt.

Beim gestrigen Ausrittchen konnte er den Blick kaum vom Pfälzer Wald abwenden. Wenn ich ihn am Montag wählen lasse - machen wir uns vielleicht gemeinsam auf die Suche nach dem Abenteuer!

Samstag, 23. September 2017

Ansichtssache

 Es ist für mich megaspannend, wie unterschiedlich TeilnehmerInnen auf das selbe oder im Prinzip gleiche Seminar reagieren.
    Sehr schade ist "Naja, es gab kein Skript und auch keine Anleitung, wie man das machen soll. 😑 " Sehr erfreulich hingegen - und auch für die Teilnehmerin wesentlich ergiebiger - ist folgende Variante (Die Emojis aus dem Original zerstören das Layout, aber ich finde sie wichtig!):
 
"Huhuuuu, ein kurzer Bericht vom Fühlen, Denken und Aha-Effekten als Nachwirkung des Seminars.. 😉
Ich habe seit dem Seminar hinter der Elbe den Arabären nun ein paar mal zentrifugiert und erstmal festgestellt, dass es - zumindest für mich - verdammt schwer ist, meine Bewegungsideen mit Bildern zu vermitteln... aber was irgendwie anzukommen scheint, sind Gefühle von Bewegungen 🙂 nun hab ich zwar im letzten halben Jahr viel meine Tentakel beim irgendwelche-Dinge-Tun beobachtet, aber ein Gefühl, naja, DARAUF hab ich nu irgendwie nicht geachtet... Nach dem Seminar hatte ich alle Fälle das Gefühl vom VH-HH-Spiel und von der Kraft-Umlenkungs-Idee.. Glücklicherweise steht der Ponymann in einem Stall, der zwei km von meiner Höhle entfernt ist.. eine nette Entfernung, die man auch ein paarmal pro Woche zu Fuß zurücklegen kann... und da die Strecke ein bisschen durch die Prärie geht, kann man da auch schön diverse Bewegungen probieren und fühlen.. 😉 ich hab auch mit der tensegralen Idee öfter mal die Geschwindigkeit erhöht, und wow, wenn alles stimmt, gibt das nen richtigen Flow! 😀 Ich hab immer diverse Jogger "bei der Arbeit" beobachtet... eigentlich mag ich Bewegung, aber ich hab gedacht, wenn das sooo aussieht... echt eilweise schlimm, was man da zu sehen bekommt, da tun einem die Gelenke schon vom Zugucken weh! 😮
mit diesem Flow-Gefühl konnte der Arabär am anderen Ende der Longe offensichtlich was anfangen! 😀 Während am Anfang immer das LSG auf ist und der Rumpf in den Seilen hängt, sieht grade das LSG nach dem Bewegungsspiel anders aus! 😀 und überhaupt sah er beim Traben nicht mehr wie ein überbauter Trinker der Lüfte, sondern wie ein Reitpferd aus!
Und dann noch die Stallarbeit, in die man tensegrale Ideen und die Grundidee vom Kung Fu ausprobieren kann... ich habe nach dieser Woche eine tolle Technik entwickelt, die Haufen, die man im Apple Boy einsammelt, schwungvoll über den Zaun zu schmeißen, ohne, dass einem nach ein paar Haufen die Arme abfallen und der Ellenbogen überlastet wird... sieht so ähnlich aus wie ein Diskuswurf (mit ner Spiraldrehung) 😀 irre, wie weit der Pferdemist dabei fliegt.. und auch da gibts ein bestimmtes Gefühl für den "Wurf".. linksrum klappt das natürlich viel besser als rechts rum. aber selbst das ist interessant, weil ich bei mir selber beobachten kann, dass es nicht so sehr weiterhilft, wenn ich mir überlege, den Arm lieber so zu halten und das Bein lieber so zu drehen, sondern es viel mehr bringt, wenn ich versuche, das Gefühl von der Linksdrehung auf die Rechtsdrehung zu übertragen..
und ich habe festgestellt, dass man nix versuchen braucht, wenn die "Vorspannung" nicht stimmt... hatte ich grade heute... zuviel abgeäppelt und gerannt... 😉 der Jogging-Versuch auf dem Nachhauseweg war für diese Erkenntis gut, mehr aber auch nicht 🙂
und diese Anspannungssache beim Kung Fu, die mir so unsympatisch war: ist das nicht auch einfach eine erhöhte Vorspannung? Quasi die Nylonschnüre statt der Gummibänder? und für die schwerere Stallarbeit sind der stabile Rumpf und die teilweise stabilisierten Gelenke auch noch mal ein Aha-Effekt gewesen.. pfeif 😉
was auf alle Fälle der Hammer ist, wie sich immer mehr ein Gesamtbild ergibt, jeden Tag ein paar Puzzleteile... die meisten sind an sich nicht neu, aber werden mit Leben und eigenen Erfahrungen gefüllt 🙂 Ich hab die letzten Wochen öfter gedacht, ach guck hat Maren auch erzählt... soviel dazu... 😉 und manchmal dreht man ein Puzzleteil nach ein paar Tagen noch mal um..

oje, soviel zum "kurzen" Bericht.. die ganze Sache macht eben echt Spaß 😉
vorhin hab ich noch drauf rumgedacht, dass man zur Fortbewegung ja immer Druck oder Zug gegen seine Umgebung ausüben muss, sonst kommt man nicht vom Fleck.. nun geistert mir (keine Ahnung, wo ich das gehört/ gelesen hab) im Kopf rum, dass man eine Bewegung aus der Körpermitte beginnen soll.. macht das im Hinblick auf Fortbewegung Sinn? Ähm, nu iss aber gut 🙂
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünsch ich dir!"
 😇
 
Da freu ich mich doch schon auf das nächste Seminar!  😊
 
 

Samstag, 12. August 2017

Die These und die Biotensegrität

Inzwischen habe ich zu der These bezüglich des Lumbosakralgelenkes recht viel positives Feedback erhalten. Es melden sich TrainerInnen, TherapeutInnen und ReiterInnen aus verschiedenen Richtungen und es freut mich, dass das Thema durch Diskussion belebt wird.
   Ein wesentlicher Aspekt der Betrachtung ist für mich die Unterscheidung zwischen mechanischer Bewegung und tensegraler Bewegung. Der tensegrale Bewegungsgedanke schließt beispielsweise ein unter Last geöffnetes und dadurch abgekoppeltes LSG weitgehend aus. Daher möchte ich all denen,
die sich mit diesem Thema befassen, nahelegen, ihr Gefühl für Biotensegrität zu schulen.

"Prämissen
sind Annahmen, auf denen sich eine Lehre, ein System oder eine Weltanschauung begründet. Die Auswahl und Festlegung der Prämissen beruht auf einer mehr oder weniger willkürlichen Entscheidung."
 
Dieses Zitat aus dem Buch "Biotensegrity - Jenseits der Biomechanik" soll nicht nur darauf hinweisen, dass die den verschiedenen Reitweisen zugrundeliegenden Annahmen frei gewählt sind, sondern auch auf die freie Wahl eines Jeden! Meine Sicht auf Bewegung bei Menschen und Pferden begründet sich auf der Annahme, dass Biotensegrität das passendere Erklärungsmodell für lebende
Körper in Bewegung ist als die klassische Biomechanik.

"Der Unterschied
Die herkömmliche Biomechanik bedient das lineare Denken, während Biotensegrity zum Volumendenken und -fühlen führt. Biomechanik steht für ein Denken entlang der drei Raumachsen, Tensegrität hingegen für eine Omnidirektionalität, die mit newtonschen Gesetzen kaum zu beschreiben ist. Die Tensegrität ist es, die aus einem Sack voller Pferdeteile ein Reitpferd werden lässt."
 
Das Buch über Biotensegrity habe ich nicht geschrieben, um reich zu werden (Mindestlohn? Davon kann man als Buchautor nur träumen...), sondern um das Thema in die Welt zu bringen. Und so, wie sich meine Arbeit nach dem ersten Buch weiterentwickelt hat, geht es jetzt nach dem zweiten Buch mit dem Thema Gebrauchshaltung aus der Sicht des Pferdes weiter. Dazu ist kein Buch geplant, sondern vorerst ein Seminar und für 2018 eine Konferenz, auf der das LSG zwar ein wichtiges, aber mit Sicherheit nicht das einzige Thema ist. 
 
Um eine fruchtbare Diskussion führen zu können, halte ich es für wichtig, die Prämissen der Gesprächspartner zu kennen. Wer sich nicht mit Biotensegrity als möglicher Prämisse beschäftigt hat, wird die Argumentation derer, die sich für Biotensegrität als Erklärungsmodell entschieden haben, nicht verstehen können. Wer das Geld für das Buch nicht ausgeben möchte, kann sich auch auf Biotensegrity.com kundig machen. Dort finden sich Primärinformationen des Mannes, der Biotensegrity als Alternative zur Biomechanik entdeckt hat. Allerdings auf englisch. Ich freue mich auf konstruktive Diskussionen! Und auf Vernetzung...

 
 

 

Freitag, 4. August 2017

Die These

Dank Antoinette Hitzinger kann ich das Video von Katja Eser und mir aus der Pferdekonferenz nun dauerhaft freischalten:

https://www.youtube.com/watch?v=lKEJANaMvJU

Freitag, 2. Juni 2017

Die Pferdekonferenz - Gesund durch Bewegung

So, es geht los mit der Pferdekonferenz! Über einen Klick auf das Bild könnt ihr euch kostenlos anmelden und auch das Konferenzpaket erstehen. Das lohnt sich auf jeden Fall, denn obwohl alle Beiträge länger freigeschaltet sind als letztes Mal, ist die Menge an interessanten Beiträgen in der kurzen Zeit kaum zu verdauen. Ich bin selbst schon ganz gespannt.

Das gemeinsame Video von Katja Eser und mir gefällt mir selbst richtig gut. Und Antoinettes Technik-Team hat den Sound wirklich noch gerettet! Es würde mich freuen, wenn dieser Post möglichst oft geteilt würde, damit das Thema eine gute Verbreitung findet.

http://go.MarenDiehl.133201.digistore24.com/CAMPAIGNKEY








Von mir gibt es auch noch ein zweites kurzes Video zum Thema Gebrauchshaltung, das im gleichen Zeitfenster freigeschaltet ist.

Montag, 27. März 2017

News

In den letzten zwei Monaten habe ich viele Seminare gegeben an schönen Orten und mit tollen Pferden und Menschen. Vielen Dank an euch alle, für euren Einsatz und eure Begeisterung!

Mein Umzug, nur ein paar Kilometer weiter in den Pfälzer Wald, geht jetzt in die Endphase und der Festnetzanschluss ist  ab Ende des Monats nicht mehr. Die E-Mailadresse ist jedoch noch die selbe und auch über Facebook bin ich per PN zu erreichen.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Es geht los!

Nach einer sehr aktiven Winterpause geht das Seminarjahr 2017 am Freitag los - mit der Fahrt an den Chiemsee. Es fühlt sich an, als hätte ich in den letzten Wochen ganz viele neue Eier angebrütet, aus denen jetzt im Seminarkontext überraschende Ideen schlüpfen werden. :D  Ich freue mich schon!

An den folgenden Wochenenden geht es dann weiter mit Prüm (hier ist noch ein Platz frei) und Bremen, Krumbeck und Embsen. In Krumbeck, SH, werde ich erstmals mindestens zwei Trainingstage an das Seminar anhängen - bin schon sehr gespannt darauf, wie das wird.

Auf der neuen Homepage, zu finden wahlweise unter www.maren-diehl.de, www.biotensegrity.de oder www.Die-Pferde-sind-nicht-das-Problem.de, sind alle Seminarthemen für 2017 vorgestellt.

Neu dabei: "Bewegungsraum", ein Seminar, das ich gemeinsam mit Ninette Billhardt halte, und "Gebrauchshaltung", mit dem ich dem Wunsch nach Praxisnähe und Umsetzbarkeit gerecht zu werden versuche.

Für "Bewegungsraum" suchen wir noch einen Seminarort, bevorzugt im Umland von Frankfurt, Mainz, Wiesbaden oder bei Freiburg.



Montag, 16. Januar 2017

Das Steinbrecht-Zitat

"Als ersten Hauptgrundsatz der Kunst rufe ich einem jeden Reiter zu:
'Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade.'
Unter diesem Vorwärtsreiten verstehe ich nicht ein Vorwärtstreiben des Pferdes in möglichst eiligen und gestreckten Gangarten, sondern vielmehr die Sorge des Reiters, bei allen Übungen die Schiebkraft der Hinterfüße in Tätigkeit zu erhalten, dergestalt, dass sogar die Rückwärtsbewegungen das Vorwärts, das heißt, das Bestreben die Last vorwärts zu bewegen, in Wirksamkeit bleibt. Man befähige daher durch Übung das Pferd, seine Schiebkraft durch Belastung bis zum Äußersten zu schränken, man unterdrücke sie aber niemals durch Überlastung."
     Anlass für den heutigen Post ist, dass ich das Zitat im Netz in dem Zusammenhang gefunden habe, dass es so häufig missverstanden würde, weil es auf den einen (oben fett geschriebenen) Satz reduziert sei. Und alle Welt ganz fälschlich zu schnell reite.
    Das erweiterte Zitat, oben in roter Schrift, ist jedoch noch lange nicht das vollständige Zitat. Letzteres hat 237 großformatige Seiten. Man kann es mehrfach durcharbeiten, immerwieder neue Zusammenhänge finden und bei jedem Durchgang Steinbrechts Worte neu verstehen. Es dauert 187 Seiten bis zur Piaffe. :D
    Steinbrecht gehört für mich zu den wenigen Menschen, die die tensegrale Struktur des Pferdekörpers spüren und stärken konnten und versucht haben, dieses Gefühl in Worte zu fassen. Und er gehört zu denjenigen, die erkannt haben, dass das Pferd das Becken nicht im LSG  (Lumbosakralgelenk, das Scharniergelenk zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein, maximaler Öffnungswinkel 20°) steil stellen darf, denn dann ist "das Bestreben, die Last vorwärts zu bewegen" nicht mehr da.
     Wenn also Steinbrecht das LSG nicht namentlich erwähnt, so hat er doch gefühlt und gesehen was geschieht, wenn die Schubkraft durch die künstliche Beckenkippung abgeschaltet wird. Sehr oft wird auch das erweiterte Zitat dahingehend falsch verstanden, dass eben nur die Füße gleichmäßig und "tätig" arbeiten müssten, um Steinbrechts Idee gerecht zu werden. Sobald sich nur noch die Füße bewegen, egal, wie fein zierlich, aber keine echte Schubkraft mehr zur Verfügung steht, entspricht die Bewegung nicht mehr dem, was mit dem Zitat gemeint ist.
    Wer auch immer Steinbrecht interpretiert, sollte m.E. davon ausgehen, dass dieser Schubkraft meint, wenn er von Schubkraft schreibt. Wer Steinbrechts wirklich verstehen möchte, sollte sich die Arbeit machen, das gesamte Gymnasium des Pferdes zu lesen und die Inhalte zu erarbeiten.

Freitag, 6. Januar 2017

Überzeugende Geschmeidigkeit...





Derzeit befinde ich mich in einer Techniktestphase und freue mich über Rückmeldungen:
Sind beide Videos in diesem Post gleichermaßen verfügbar?
Lassen sie sich herunterladen?
Ist die Bildqualität gleich?

DANKE!

Showtime

Guten Morgen, ihr Lieben,
aktuell teste ich die Technik, probiere neue Bearbeitungsprogramme aus und benötige eure Rückmeldungen:

 Könnt ihr alle drei Videos abspielen?
Gibt es Probleme - wenn ja, mit welchem Gerät?
Wie ist die jeweilige Bildqualität aus eurer Sicht?


Unter allen hilfreichen Rückmeldungen verlose ich wieder ein Buch "Jenseits der Biomechanik - Biotensegrity"

Ich danke euch!





Gutes Neues allerseits!


Donnerstag, 15. Dezember 2016

Neue Homepage

www.Die-Pferde-sind-nicht-das-Problem.de

In dieser Woche ist meine neue Homepage online gegangen. Nach und nach werde ich alle wesentlichen Inhalte, vor allem die Seminare und die Terminplanung, auf die neue Seite umziehen.
Der Blog selbst bleibt bestehen und wird von der neuen Seite aus verlinkt.
Meine alte Domain, Maren-Diehl.de ist vom alten Provider gelöscht worden, als ich den Umzug beantragt habe. Voraussichtlich werde ich sie jedoch reaktivieren können.


Ich wünsche euch allen eine schöne Adventszeit!

Montag, 12. Dezember 2016

Seminare 2017

So langsam füllt sich der Terminkalender für das nächste Jahr, und die ersten zwei Seminare sind bereits ausgebucht. Heute ist ein weiteres Seminar am Chiemsee dazugekommen, Infos dazu finden sich auf der Termine-Seite.

Freitag, 9. Dezember 2016

Manche Sachen kann man x-mal erklären...

... schriftlich sogar. Direkt im Buch. In den entsprechenden Kapiteln:
Es ist kein medizinisches Fachbuch.
Es ist kein medizinisches Fachbuch.
Es ist kein medizinisches Fachbuch.
Und dann schaut man ins Ranking bei Amazon und findet sich auf Platz 6 in der Rubrik Tiermedizin:

Amazon Bestseller-Rang: Nr. 34.034 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher) 
Nr.6  in Bücher > Fachbücher > Medizin > Weitere Fachgebiete > Tiermedizin 
Nr.106 in Bücher > Naturwissenschaften & Technik > Medizin > Tiermedizin

Die große Frage lautet: Ist das jetzt gut oder schlecht? Wobei ich ehrlich sagen muss: Es freut mich. Denn so war es gedacht - als Anstoß zum weiter Forschen für ReiterInnen, TiermedizinerInnen, TherapeutInnen, AusbilderInnen und und und. "Jenseit der Biomechanik - Biotensegrity" sollte vor allem neugierig machen. Das scheint gelungen zu sein.

Ich wünsche allen LeserInnen viel Freude mit dem Buch!


Eine Stunde später geht noch was: